Lebensmittelhandel und Landwirtschaft gründen Koordinationszentrale

Lebensmittelhandel und Landwirtschaft gründen Koordinationszentrale

Protestaktionen wie hier im Dezember vor dem Aldi-Zentrallager in Hesel, Landkreis Leer, sollen künftig möglichst vermieden werden, indem eine Koordinationszentrale zu einem fairen Interessenausgleich zwischen Landwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel führt.

Der Lebensmitteleinzelhandel und die Landwirtschaft gründen eine gemeinsame Koordinationszentrale. Konflikte in der Lieferkette sollen künftig vermieden und die Wertschöpfung besser verteilt werden.

Nach den zahlreichen Bauernprotesten gegen Dumpingpreise im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) haben führende Wirtschaftsverbände des Handels und der Landwirtschaft beschlossen, eine „Zentrale Koordination Handel Landwirtschaft“ zu errichten. Das geht aus einer gemeinsamen Verbändeerklärung hervor, die im Laufe des Tages (2.3.2021) veröffentlicht werden soll und agrarheute exklusiv vorliegt. Als primäres Ziel wird die „Optimierung der Lieferkette“ genannt. Gemeinsam erreichte Effizienzgewinne und eine höhere Wertschöpfung sollen allen Teilnehmern der Kette, insbesondere den Landwirten, zugutekommen.

Die Koordinationszentrale soll für einen besseren Dialog und Klarheit sorgen. Eine Verhärtung der Fronten soll vermieden werden.

Die Marktpartner vereinbarten, eine Ombudsstelle einzurichten und einen gemeinsamen Lebensmittelkodex zu entwickeln.

Die gemeinsame Erklärung zur Errichtung der Koordinationszentrale wird vom Handelsverband Deutschland (HDE), dem Deutschen Bauernverband (DBV) und dem Deutschen Raiffeisenverband (DRV) getragen. Weitere Verbände und Organisationen sollen hinzugezogen und eingebunden werden.

Gedankliches Vorbild und konzeptionelle Grundlage stellen die QS Qualität und Sicherheit GmbH und die Initiative Tierwohl (ITW) dar.

HDE-Präsident Josef Sanktjohanser sprach von einem „Neuanfang nach den immer wieder auftretenden Eskalationen zwischen Landwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel.

DBV-Präsident Joachim Rukwied erklärte, die landwirtschaftlichen Betriebe benötigten dringend eine Perspektive für bessere Marktbedingungen und eine angemessene Honorierung von hohen Standards bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen.

Im Fokus der Koordinationszentrale sollen zunächst die Frischeartikel im Lebensmitteleinzelhandel stehen, also vor allem Milch, Fleisch, Eier und Geflügel sowie Obst und Gemüse. Perspektivisch sollen weitere Bereiche hinzukommen.