Massiver Druck der Schlachtunternehmer lässt Preise immer tiefer abrutschen

Am deutschen Schlachtschweinemarkt versuchen einige Schlachter erneut die Auszahlungspreise für Schlachtschweine zu drücken, berichtet die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften(VEZG) in ihrer aktuellen Markteinschätzung. Die Folge: Die Auszahlungspreise für Schlachtschweine werden leicht nach unten korrigiert. Ob das für eine Marktberuhigung ausreicht ist jedoch fraglich, denn so lange die rote Seite im Verkauf Verluste macht, wird sie versuchen diese an die Schweinehalter weiterzureichen.

Das der Preisdruck wieder zugenommen hat, war bereits auf gestrigen ISN-Auktion zu sehen. Dort konnte von den angebotenen Schweinen nicht eins verkauft werden. Das war auch schon bei der Auktion davor der Fall.

Ein Grund für den erneut wachsenden Druck auf den deutschen Markt dürften die fallenden Preise in Spanien sein. Der nach dem ASP-bedingten Ausfall Deutschlands größte europäische Exporteur nach China, ist mit einem beispiellosen Absturz der chinesischen Schweinepreise konfrontiert. Dadurch haben die Spanier zunehmende Verkaufsprobleme am wieder deutlich besser versorgten chinesischen Markt.

Für Deutschland bedeutet dass, das diese nicht nach Asien verkaufte Ware zu niedrigen Preisen auf den europäischen Markt drückt und für weiter fallende Fleischpreise auch an den für Deutschland wichtigen innereuropäischen Verkaufsmärkten sorgt.

Das dürfte auch der Grund für die erneuten Versuche der Schlachter sein, mit Hauspreisen zu agieren oder die Schweinepreise noch weiter nach unten zu drücken.

Laut Österreichischer Schweinebörse gelang es nach wie vor, das frische Angebot zeitnah
an die Schlachthaken zu bringen. Regional unterschiedlich, aber insgesamt doch ausge-
glichen, stellte sich daher die Marktlage dar. Zuletzt nahm das Angebot an schlachtreifen
Schweinen zu.. Die Schlachtbranche begründet das wenig ambitionierte Schlachtverhalten mit dem Preisdruck der Wurst-/Schinkenindustrie die diesen ihrerseits mit dem attraktiven internationalen Angebot argumentiert. Der LEH sieht sich mit einer ruhigen Fleischnachfrage konfrontiert, was erfahrungsgemäß zum Monatsende nicht unüblich ist. Das frische Angebot an der Ö-Börse nimmt abermals zu, was die Abnehmerseite zu einer kräftigen Preisforderung animierte. Deshalb ein Minus von 4 Cent.

Dänemark: Forscher sehen viele offene Fragen bei In-vitro-Fleisch

n-vitro-Fleisch wird sich vorläufig nicht als Fleischersatz auf dem Markt durchsetzen, so die Analyse von Forschern aus Dänemark. Es mangele bislang an effizienten Zelllinien und Nährmedien.

Dänische Forscher gehen nicht davon aus, dass sich In-vitro-Fleisch bald am Markt durchsetzen wird. Nach einer Analyse des Dänischen Technologischen Instituts (DTI) von aktuellen Studien und der begleitenden Fachliteratur sind derzeit noch viele Fragen bezüglich der Massenproduktion von Kunstfleisch offen. So stünden die dafür erforderlichen stabilen und effizienten Zelllinien noch nicht zur Verfügung; auch seien die Nährmedien für eine großtechnische und zugleich wirtschaftliche Anwendung nicht ausreichend erforscht.

Künstliche Muskelstrukturen bislang zu dünn

Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass man es bisher noch nicht geschafft habe, künstliche Muskelstrukturen herzustellen, die dicker als 1 mm sind. Damit sei es vorläufig nicht möglich, beispielsweise Steaks oder Bratenstücke herzustellen, wird in dem Bericht des Instituts klargestellt. Zugleich gebe es bislang keine Ansätze, um gleichzeitig Fett- und Bindegewebe zu züchten, was für natürlich wirkende und schmeckende Kunstfleischerzeugnisse entscheidend wäre.

Noch fehlt es nach Angaben der DTI-Wissenschaftler außerdem an belastbaren Einschätzungen zu den Umweltfolgen der In-vitro-Fleischerzeugung. Zwar werde oft behauptet, dass die Technologie ressourcensparend sei. Wissenschaftliche Belege dafür seien bisher jedoch „überschaubar“. Die Technologie hinter Fleisch aus der Petrischale sei noch sehr unausgereift und „es ist damit eher unwahrscheinlich, dass sich Kunstfleisch in naher Zukunft zu einer ernstzunehmenden Alternative zu herkömmlichen Fleischprodukten entwickelt“, resümiert der DTI-Experte für Verfahrenstechnik in der Lebensmitteltechnologie, Christian Vestergaard. Könne die Branche diese Probleme aber lösen, bestehe eine echte Chance auf eine Alternative zu Produkten aus der herkömmlichen Fleischerzeugung.

Geschmack dichter am Original

Unterdessen sehen Branchenexperten in einer Kombination von veganen Fleischersatzprodukten und In-vitro-Fleisch eine mögliche Zukunft für Kunstfleisch als behördlich zugelassenes Lebensmittel. Nach einem aktuellen Bericht von foodnavigator.com spricht für derartige Hybriderzeugnisse vor allem der Geschmack. Dieser komme den Fachleuten zufolge im Vergleich zu reinen pflanzenbasierten Lebensmitteln deutlich dichter an das tierische Original heran, da Pflanzenfett sensorisch tierisches Fett im Produkt ersetze und damit ein Geschmackserlebnis ermögliche, das echtem Fleisch sehr nahe komme. Dabei gehe es aber nicht allein um den Geschmack, sondern auch um das Aussehen, die Textur und das Aroma, heißt es in dem Bericht. Damit könne ein solches Mischprodukt nicht nur für Veganer und Flexitarier, sondern auch für Fleischesser zur Alternative werden.

Geschmack dichter am Original

Unterdessen sehen Branchenexperten in einer Kombination von veganen Fleischersatzprodukten und In-vitro-Fleisch eine mögliche Zukunft für Kunstfleisch als behördlich zugelassenes Lebensmittel. Nach einem aktuellen Bericht von foodnavigator.com spricht für derartige Hybriderzeugnisse vor allem der Geschmack. Dieser komme den Fachleuten zufolge im Vergleich zu reinen pflanzenbasierten Lebensmitteln deutlich dichter an das tierische Original heran, da Pflanzenfett sensorisch tierisches Fett im Produkt ersetze und damit ein Geschmackserlebnis ermögliche, das echtem Fleisch sehr nahe komme. Dabei gehe es aber nicht allein um den Geschmack, sondern auch um das Aussehen, die Textur und das Aroma, heißt es in dem Bericht. Damit könne ein solches Mischprodukt nicht nur für Veganer und Flexitarier, sondern auch für Fleischesser zur Alternative werden.


Und hoffenlich kommt dieses Horrorfleisch nicht, denn verdienen werden nur die Konzerne und wir Bäuerinnen und Bauern werden übrig bleiben.

Geht in Deutschland die Schweinehaltung dem Bach runter?

Die Schweinehaltung in Deutschland befindet sich in einer gravierenden Strukturkrise. Die Hälfte der deutschen Schweinehalter will in den nächsten 10 Jahren aussteigen. Insbesondere kleinere Betriebe planen bereits sehr kurzfristig den Ausstieg. Treibende Gründe für die Betriebsaufgabe sind die Summe der Auflagen, fehlende Planungssicherheit sowie mangelnde Perspektive. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen personalisierten Befragung der ISN von über 1.000 deutschen Sauenhaltern und Schweinemästern. Die ISN fordert die Agrarminister aus Bund und Ländern auf, nun endlich gemeinsam für Planungs­sicherheit und Perspektive für die Schweinehalter zu sorgen, um dem Strukturbruch entgegenzuwirken.     

Lange und viel wurde auf politischer Ebene im Bund und den Ländern über die Ausrichtung der Nutztierhaltung, den Umbau der Haltungssysteme sowie über die Umsetzbarkeit und mögliche Finanzierungsmodelle gestritten. So haben sich nahezu alle Parteien, die im Bundestag vertreten sind, bereits im vergangenen Jahr deutlich zu den Umbauplänen der sogenannten Borchert-Kommission bekannt. Auch im Bundesrat forderte man zuletzt noch vom Tierwohl-Turbo. Passiert ist seither nichts. Im Gegenteil: Trotz breitem Bekenntnis hat man sich politisch über alle Parteien hinweg, wo es nur ging, gegenseitig ausgebremst – auf dem Rücken der Schweinehalter.  

Dadurch fehlen den schweinehaltenden Betrieben Perspektive und Pla­nungs­sicherheit. Obendrein haben sie mit der aktuellen Preiskrise zu kämpfen. Das Risiko einer Fehlinvestition ist extrem hoch, weil zugleich verschiedene Verschärfungen der Haltungsvorgaben für Schweine anstehen. Diese erfordern umfangreiche Anpassungen der Ställe und somit hohe betriebliche Investitionen. So werden viele Bauernfamilien zur Aufgabe ihrer Betriebe getrieben. Genau das spiegelt sich in der aktuellen ISN-Umfrage – bei der ca. 1.000 Schweinehalter offen mit Namen und Adresse geantwortet haben – wider. Immer mehr der in Deutschland insgesamt noch am Markt verbliebenen knapp 20.000 Schweinehalter steigen aus, weil sie sich von der Politik im Stich gelassen fühlen und keine Perspektive für ihren Betrieb sehen. Die Verlagerung der Tierhaltung ins Ausland ist im vollen Gange.

Die aktuelle Umfrage der ISN unter Schweinehaltern, die zusammen ca. 10 Prozent der deutschen Schweine halten, ist daher höchst alarmierend. Es zeichnet sich nun konkret ein Strukturbuch von bisher unbekanntem Ausmaß ab. Rund 60 Prozent der Sauenhalter und 40 Prozent der Schweinemäster will in den nächsten zehn Jahren aufgeben, lediglich 6 bzw. 8 Prozent wollen ihre Sauenhaltung bzw. Schweinemast noch ausbauen. Zusammengenommen wird sowohl der Sauen- als auch Schweinebestand in den nächsten Jahren um weitere 25 bis 30 Prozent abgebaut werden.

Geteilter Ferkelmarkt, und die Notierung geht weiter runter

Die Anstrengungen so rasch als möglich Stabilität in die Schweinemärkte zu bringen sind europaweit groß. Dennoch gelingt die Umsetzung nur eingeschränkt. Zu groß sind nach wie vor die Verwerfungen auf den internationalen Schweinmärkten, um eine nachhaltige Verbesserung zeitnah herbeiführen zu können. Neben diesen weltweit erzeugten Problemen, die vor allem durch die chinesischen Entwicklungen befeuert werden, besteht das Hauptproblem am europäischen Ferkelmarkt weiterhin in der Futterproblematik. Deutlich verspätete Maisernten sowie extreme und immer noch steigende Preise bei Zukaufsfutter schwächen nach wie vor den Abfluss verkaufsfähiger Ferkel in die Maststallungen im gesamte EU-Raum. Ein kleiner Lichtblick entwickelt sich aktuell im Süden Deutschlands, wo sich der Ferkelabfluss zuletzt beschleunigt hat, berichtet Johann Stinglmayr in der aktuellen Aussendung der VLV-Ferkelringe. Großer Druck geht aber immer noch vom deutschen Norden aus.

Oberösterreich hat eine turbulente Vermarktungswoche hinter sich. Neuerlich konnten zwar die Rückstellungen reduziert werden. Eine nachhaltige Entlastung der Absatzschwäche kann davon aber nicht abgeleitet werden. Bei der gesamtösterreichischen Betrachtung fällt auf, dass es Unterschiede beim Ausmaß der Absatzschwierigkeiten gibt. Die Steiermark hat letzte Woche den Markt vollständig räumen können, in Niederösterreich dagegen nehmen die Ferkelrückstellungen weiter zu. Oberösterreich liegt irgendwo dazwischen. Vor diesem Markthintergrund haben sich die Bundesländern verständigt, in der aktuellen Woche eine Korrektur des Notierungspreises um 10 Cent vorzunehmen. Die heimische Ferkelnotierung fällt somit auf 1,85 €/kg.

Bauphase für „Havito“-Forschungsstall von Bröring und Big Dutchman gestartet

Mit einem symbolischen ersten Spatenstich haben die Unternehmen Bröring und Big Dutchman die Bauphase für den neuen Havito-Forschungsstall in Dinklage im Landkreis Vechta gestartet.

Der Startschuss für den gemeinsamen Forschungsstall „Havito“ von Bröring und Big Dutchman ist am vergangenen Donnerstag offiziell gefallen. Künftig werden in dem Forschungsstall im Dinklager Ortsteil Höne neue Haltungs- und Fütterungsverfahren entwickelt, die den hohen Tierwohlanforderungen der Gesellschaft und des Schweines gerecht werden sollen. Die Inbetriebnahme ist für das zweite Halbjahr 2022 geplant. Die Projektpartner investieren in den Forschungsstall rund 2,3 Mio. €.

Wie beide Unternehmen mitteilen soll der Havito-Stall im geschlossenen System nach dem Birth-to-finish (BTF) und dem teilgeschlossenen System Birth-to-rear (BTR) Verfahren betrieben werden. Im BTF-Verfahren verbleiben die im Havito-Stall geborenen Ferkel bis zur Schlachtreife in ihrer Geschwistergruppe. Sie werden nicht versetzt oder mit anderen Ferkeln gemischt. Im BTR-System werden die Tiere bis zum Ende der Aufzucht mit ca. 30 kg in der Geschwistergruppe gehalten. Davon erhoffen sich Bröring und Big Dutchmann Hygiene- und Antistressvorteile, die sich positiv auf die Tiergesundheit und die biologischen Leistungen auswirken sollen.

Das Wohlbefinden der Tiere soll im Havito-Stall im Fokus stehen. Die Dreifachnutzung der Bucht soll nicht nur der Sau ausreichend Platz und Bewegung bieten, sondern auch den Ferkeln und Mastschweinen. Den Tieren steht bis zu 40 % mehr Fläche zur Verfügung. Im Stallsystem sind zudem Einstreubereiche vorgesehen, damit die Schweine ihrem natürlichen Wühltrieb nachgehen können. Der Einsatz eines neuen Entmistungssystems mit Kot-Harn-Trennung soll unter anderem für geringere Ammoniakemissionen in der Abluft und für eine bessere Stalluft sorgen.

In Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Einrichtungen werden zudem künftig wichtige Fragestellungen untersucht. Ziel ist es, neue effiziente Futterkonzeptionen zu erproben, um Phosphor- und Stickstoffausscheidungen von Schweinen zu verringern und die Umwelt zu entlasten. Ein Besucherraum soll zudem interessierten Gruppen und Landwirten einen Einblick in die Haltungssysteme gewähren.

Chinas Schweinepreise fallen ins Bodenlose

Vor den Hintergrund der abstürzenden Preise senkte Chinas Landwirtschaftsministerium offiziell sein Ziel für den Bestand an Sauen für den gerade begonnenen Fünfjahresplan. Damit will man zwar die Versorgung sicherstellen, jedoch gleichzeitig die weiter fallenden Preise stabilisieren.

Das Ministerium für Landwirtschaft und ländliche Angelegenheiten peilt jetzt für die Sauenherde eine Größe von 41 Millionen Stück für den Zeitraum 2021 bis 2025 an. Der Bestand sollte jedoch nicht unter 37 Millionen Stück liegen, heißt es weiter.

Frühere Pläne hatten noch eine Vorgabe von 40 bis 43 Millionen Stück gemacht.

Doch Chinas Schweinefleischpreise sind in den letzten Monaten immer weiter gefallen und haben die kleinen Schweinehalter, aber vor allem die großen (börsennotierten) industriellen Schweineerzeuger des Landes, tief in die Verlustzone gedrückt.

Die chinesischen Schweinepreise sind jedenfalls genauso schnell gefallen wie sie zuvor gestiegen sind, was die teilweise hoch verschuldeten großen Schweineunternehmen massiv unter Druck setzt. Der Mitte September veröffentlichte Verbraucherpreisindex zeigte, dass die Preise für das Schweinefleisch im August um 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr gefallen sind.

Die sehr hohen Preise der letzten beiden Jahre haben die großen industriellen Schweinefleischproduzenten dazu verleitet, immer mehr zu investieren und zu produzieren und gewaltige Schweinehochäuser und ganze „Schweinestädte“ zu bauen. Und sie haben viele Kredite aufgenommen, um die Expansion zu finanzieren, berichten Analysten.

Dazu kamen viele staatliche Subventionen und Unterstützung aus den Provinzen. So zahlten einige Provinz-Regierungen zusätzlich 1500 Yuan oder knapp 200 Euro für jede aufgstallte Zuchtsau.

bei 50 Yuan pro Kilogramm (6,60 Euro je kg) oder höher.

Am Terminmarkt in Dalian liegen die Preise für Lebendschweine für den Novemberkontrakt aktuell nur noch bei 12.200 Yuan je Tonne bzw. umgerechnet bei 1,60 Euro je kg LG. Das ist der bislang niedrigste Wert am Terminmarkt und allein seit Juli ein Absturz um 35 Prozent.

Die Preise für Stickstoffdünger steigen auf immer neue Rekordhochs

Die Preise für Stickstoffdünger steigen täglich immer schneller. Und neue Saison hat gerade erst begonnen. Einige Preise liegen bereits über dem bisherigen Rekordniveau der Finanzkrise 2007/08. Diese Entwicklung löst Panik nicht nur bei den Düngemittelherstellern aus sondern auch in der Landwirtschaft – wo die Produktions-Kosten sich bereits auf Rekordniveau befinden.

Doch die Krise ist offenbar noch lange nicht zu Ende: Die europäischen Erdgaspreise setzen ihreRallye weiter fort, nachdem bekannt wurde, dass die russische Gazprom beschlossen hat, im Oktober keine zusätzlichen Kapazitäten für den Transport von Gas über die Ukraine zu buchen. Die Nachricht kam zu einem Zeitpunkt, als die rekordhohen Gaspreise bereits Schockwellen bei den Herstellern von  Düngemitteln bis hin zur Lebensmittelverarbeitung und der Schlachtindustrie auslösten.

Die Folge waren eine Reihe von Betriebsstillegungen und Produktionskürzungen und sogar erste Insolvenzen bei Energiehändlern. „Alles bewegt sich steil nach oben, aber derzeit sind die Stickstoffpreise in Europa auf einem Niveau, das die Produktion von Ammoniak nicht rechtfertigt“, sagte der Chef des größten europäischen Düngerherstellers Yara, Svein Tore Holsether vor internationalen Medien.

Die Preise für Ammoniumnitrat (AN) und Calciumammoniumnitrat (CAN) in Nordwesteuropa haben die bisherigen Höchststände von 2007/08 bereits überschritten, berichten Analysten. Auch in Ägypten, einem wichtigen Lieferanten für Westeuropa, wurde zum ersten Mal seit Mai 2012 Harnstoff zu Preisen von über 500 USD/Tonne FOB verkauft.

Die Ankündigung des norwegischen Düngemittelkonzerns Yara vom vorigen Freitag von 40 % Kapazitätskürzungen in seinem europäischen Ammoniak-Produktionssystem aufgrund steigender Erdgaskosten, löste weltweit Schockwellen im Düngemittel- und Chemiesektor aus. Der europäische Nitratmarkt wurde von Analysten als „verrückt“ beschrieben, nicht nur wegen explodierender Gaskosten und Produktionskürzungen, sondern auch wegen der starken Preissteigerungen bei Harnstoff und anderen Stickstoffdüngern.

Das zeigt, dass sich die Gaspreis- und Düngerkrise immer stärker ausweitet und zu ernsthaften Versorgungsproblemen in verschiedenen Wirtschafts-Bereichen und vor allem im Energie-, Chemie- und Düngersektor führen dürfte. Landwirte dürften vor dem Hintergrund der rekordhohen Kosten zu den am stärksten Betroffenen gehören.

Unsere Ausgezeichneten Weine

Österreichs Winzer erzeugen Weine höchster Qualität. Das zeigen die Erfolge bei großen internationalen Bewerben und Verkostungen führender Weinkritiker.

Süsswein-Sieg bei der International Wine Challenge

Die International Wine Challenge (IWC) in England kürt jedes Jahr die besten Weine und Winzer der Welt. Österreich war heuer besonders erfolgreich. Österreich ließ sogar die Sauvignon-Giganten Frankreich und Neuseeland hinter sich. Die Steiermark festigte zudem ihren Ruf als weltweite Top-Sauvignon-Herkunft. Eine Trophäe konnte auch der Angerhof Tschida aus dem Weinbaugebiet Neusiedlersee nach Österreich holen: Hans Tschida wurde zum „IWC Sweet Winemaker of the Year“ gekürt – und das bereits zum siebten Mal.

Insgesamt wurden bei der IWC heuer 290 Weine ausgezeichnet, 79 davon aus Österreich. Gleich 11 Österreicher dürfen von nun an IWC-Gold auf der Flasche tragen. In Relation zu den ausgezeichneten Weinen pro Land hatte Österreich damit den höchsten Anteil an Goldmedaillen. Nicht umsonst zählt Österreich laut IWC somit zu „Europe’s rising stars“.

100 Parker-Punkte für Runter Ausbruch

Bereits im Mai sorgte das Weingut Ernst Triebaumer aus Rust für eine Jubelmeldung: Mit seinem 2014 Ruster Ausbruch holte es bei einer Burgenland-Verkostung im äußerst renommierten Magazin Robert Parker Wine Advocate die Höchstbewertung von 100 Punkten. Der Bewerter Stephan Reinhardt in seiner Verkostungsnotiz: „The wine is a legend in the making”.

Jahrgang 2020 unter der Lupe

Für das ebenfalls sehr renommierte internationale Weinmedium jamessuckling.com verkostete Stuart Pigott kürzlich 262 österreichische Weine des Jahrgangs 2020. 217 der Weine konnten 90 Punkte oder mehr erreichen. Pigotts Resümee: „[…] bei den besten trockenen Weißen ist die Säure vibrierend, ohne spitz zu sein, was ihnen, in Kombination mit ihrem moderaten Alkoholgehalt, eine frische und lebhafte Persönlichkeit gibt.” Auch mit seinen Rotweinen spielt sich Österreich weiter ins internationale Rampenlicht. Im Mai widmete das renommierte britische Magazin Decanter einen ganzen Artikel dem Gebiet Neusiedlersee und seinen Zweigelt-Weinen. Der Master of Wine Dirceu Vianna Junior zeigte sich begeistert: „Zweigelt aus diesem Gebiet hat das Potenzial, die neue Grüner-Veltliner-Story zu werden.“ Die Sorte könne zugängliche und trinkfreudige Weine ebenso produzieren wie lagerfähige Rotweine.

Pinot Noir & Blaufränkisch heimsen Preise ein

Ebenfalls im Mai veröffentlichte das britische Fachmagazin The Drinks Business die Ergebnisse seines Weinwettbewerbs „The Pinot Noir Masters“. Österreichs Winzer konnten gleich vier Medaillen erringen: einmal Gold und dreimal Bronze. Für Jurymitglied und Autor Patrick Schmitt MW ist Österreich daher „another nation that can wow with Pinot.“

In Deutschland trumpfte Österreich mit Blaufränkisch auf: Beim „Vaihinger Löwe 2021“, der Weine dieser Rebsorte aus unterschiedlichen Ländern prämiert, konnten Österreichs Winzer den Sieg und weitere drei der ersten sechs Plätze erringen. Damit zeigten sie einmal mehr, dass Österreich in Sachen Blaufränkisch internationaler Spitzenreiter ist.

Schweinestau in Großbritannien

Auch in Großbritannien haben die Schweinehalter mit relativ niedrigen Erzeugerpreisen und zugleich höheren Futtermittelkosten zu kämpfen. Daneben leiden die schweinefleischverarbeitenden Betriebe unter einem akuten Arbeitskräftemangel. Wie die britische Absatzförderungsorganisation für Landwirtschaft und Gartenbau (AHDB) kürzlich mitteilte, drücken die dadurch bedingten Einschränkungen der Schlacht- und Verarbeitungskapazitäten die Schweinepreise zusätzlich. Aber auch der Rückgang der Schweinepreise in der EU spielt laut den AHDB-Fachleuten eine Rolle. Dadurch seien die Schweinefleischlieferungen in das Vereinigte Königreich wettbewerbsfähiger geworden.

Der britische Schweineverband (NPA) schlug derweil Alarm und forderte die Regierung zum unverzüglichen Handeln auf. Zugleich warnte er davor, dass der chronische Arbeitskräftemangel in den fleischverarbeitenden Betrieben zu einem wachsenden Rückstau an Schweinen in den Ställen führe. Derzeit gebe es schätzungsweise 85 000 zusätzliche Schweine in den Ställen im Vereinigten Königreich. Diese Zahl steige wöchentlich um etwa 15 000 Tiere. Bald gehe den Landwirten der Platz aus, so der NPA. Dem Verband zufolge hat die britische Schweineindustrie schon im Jahr 2020 mit der Kombination aus Corona-Krise, Brexit und Rekordproduktionskosten einen „Sturm“ erlebt, der bereits etliche Tierhalter zur Aufgabe gezwungen habe.

Laut der Geschäftsführerin Dr. Zoe Davies geben auch aktuell im gesamten Königreich Erzeuger ihre Schweinebestände auf oder reduzieren diese, „da sie die Verluste nicht länger verkraften können“. Der Rückstau an Schweinen stelle die Landwirte nun vor weitere Probleme, da sie gezwungen seien, zusätzliches Geld für teure Futtermittel aufzubringen und Abschläge beim Verkauf übergewichtiger Schweine in Kauf zu nehmen. Viele sähen sich jetzt gezwungen, ihre Schweine zu „vernichten, weil sie einfach nirgendwo mehr hinkönnen“. Davies berichtete von „herzzerreißenden Gesprächen“ mit verzweifelten Schweinehaltern, die nicht mehr wüssten, wie es weitergehe. In diesem Jahr sei der Sauenbestand bereits um 22 000 Tiere abgestockt worden. Und das ist nach Einschätzung von Davies erst der Anfang. Sie rechnet mit einem „ernsthaften Rückgang“ der britischen Schweineindustrie. AgE


Gülle wird wieder mehr wert

Explodierende Energiepreise zwingen die ersten Unternehmen in Europa, energieintensive Fabriken zu schließen. Der Düngemittelhersteller CF Industries hat vorige Woche die Produktion in zwei britischen Werken eingestellt. Der europäische Dünger-Gigant Yara International, kündigte an, die Ammoniumproduktion wegen der hohen Kosten um 40 Prozent zu reduzieren.

Der deutsche Chemieriese BASF verwies ebenfalls auf die negativen Folgen der extrem hohen Preise für Strom und andere Energieträger wie Gas, Öl und Kohle. Europas Gasspeicher sind weitgehend leer. Die knappe Versorgung und eine gleichzeitig anziehende Nachfrage treiben die Energiepreise europaweit auf immer neue Höchststände.

Gleichzeitig haben sich die Preise für CO2-Zertifikate im europäischen Handelssystem mehr als verdoppelt. Normalerweise wären die Gasspeicher im Sommer wieder aufgefüllt. Dies geschah jedoch nicht. Europas wichtigster Gaslieferant Russland lieferte zum einen weniger als in den Vorjahren. Zum anderen war das Fördervolumen der in der Nordsee gelegenen Gasfelder durch Corona-bedingte Ausfälle erheblich eingeschränkt.

Die erneuerbaren Energien konnten diese Lücke offenbar nicht ausfüllen. Deshalb ist im europäischen Parlament eine heftige Diskussion um die Folgen des Green Deals für die Energieversorgung entbrannt. 

Die US-Investmentbank Goldman Sachs warnt in einem aktuellen Bericht vor möglichen großflächigen Stromausfällen in Europa im kommenden Winter. Den Grund sehen die Energieexperten von Goldman Sachs vor allem in den europaweit leeren Gasspeichern. Sollte der kommende Winter so kalt werden wie der vorherige, droht Europa eine akute Energiekrise, heißt es in der Studie.

Regierungen könnten gezwungen sein, die vorübergehende Abschaltung bestimmter Industrien anzuordnen. Und die Energiekrise trifft diesmal ganz Europa. In Italien sind die Strompreise allein im letzten Quartal um 20 Prozent gestiegen und könnten im Herbst um weitere 40 Prozent steigen, sagte der italienische Umweltminister Roberto Cingolani. Italien hat zudem die staatlich regulierten Gaspreise bereits massiv erhöht und vor dem Winter weitere Preiserhöhungen angekündigt.

Massentierhaltung aus Sicht der Gesellschaft

Welche Assoziationen löst der Begriff „Massentierhaltung“ aus? Und wie hat sich diese Wahrnehmung in den letzten 10 Jahren verändert? Das hat eine aktuelle Studie analysiert.

Im Rahmen des Webinars „Massentierhaltung aus Sicht der Gesellschaft in den Jahren 2011 und 2021“ präsentierten Forschende der Universität Göttingen die Ergebnisse der gleichnamigen Studie. Mit dabei waren die verantwortlichen Wissenschaftler Prof. Dr. Achim Spiller, Dr. Gesa Busch und Dr. Sarah Kühl vom Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung.Die sogenannte „Small is beautiful“- Hypothese, also die Relation zwischen Betriebsgröße und Nachhaltigkeitsaspekten, lasse sich aus wissenschaftlicher Sicht nicht bestätigen, erklärte Prof. Spiller. Relevant seien eher Haltungssysteme und das Management. Dennoch präferierten über 70% der Befragten in 2021 Lebensmittel von kleineren Betrieben. Auch hinsichtlich Tierwohl, Umweltschutz und Produktqualität schätzen die Teilnehmer kleine Betriebe als besser ein. Betriebsgröße und Tierzahl sei für Laien schwierig zu bewerten. Weil andere verlässliche Informationen fehlen, gilt die Größe als Kriterium, so Prof. Spiller.

Mit über 90 % bewerten die Befragten Tierwohl als wichtigsten Aspekt eines idealen Betriebes. Die Betriebsgröße nennen nur wenige als entscheidenden Punkt. Somit lasse sich die Betriebsgröße aus Sicht der Gesellschaft lediglich als Indikator für einen idealen Betrieb festhalten, bilanziert Dr. Busch.

Hinzukommt der sogenannte Underdog-Effekt, erklärt Dr. Kühl: „Kleinere Betriebe gelten nicht nur in der Landwirtschaft als sympathischer und rufen eine stärkere Identifikation hervor.“ Die Studie zeige auch, dass die Gesellschaft größere Betriebe als profitorientierter einstuft. Bemerkenswert ist: Die Befragten schätzen die Großbetriebe trotzdem als sehr relevant für die Ernährungssicherung sowie die Wirtschaftskraft im ländlichen Raum ein.

2021 verbanden weniger Menschen als noch 2011 den Begriff „Massentierhaltung“ mit Gestank, Tierquälerei oder auch Futter- und Lebensmittelskandalen, dafür rücken negative Klimaauswirkungen in den Vordergrund. Ein geringerer Anteil der Studienteilnehmer bringt außerdem spezifische Tierarten wie Schwein oder Geflügel, mit Massentierhaltung in Verbindung. Häufiger nennen Teilnehmer „systemische Probleme“ wie Krankheiten und fehlende Auslaufmöglichkeiten als Kennzeichen von „Massentierhaltung“.

Die Frage, ab wann „Massentierhaltung“ beginnt, veränderte sich ebenfalls von 2011 bis 2021. Für Befragte in 2011 waren das Haltungen ab 500 Rindern oder 1.000 Schweinen. In 2021 nannten Studienteilnehmer Betriebsgrößen mit 1.000 Rindern oder 2.000 Schweinen eine „Massentierhaltung“.

Erfordert globaler Wohlstand einen reduzierten Fleischverzehr?

Bei der Bekämpfung des Klimawandels und der Verwirklichung der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung müsse nach Einschätzung des Artikelautors Kees Blokland, Gründer der Agrarberatungsagentur Agriterra, darauf geachtet werden, dass Statistiken nicht aus dem Zusammenhang gerissen werden. Die Empfehlung, weniger Fleisch zu essen, um den Klimawandel zu bekämpfen, basiere auf fehlerhaften Daten. Weniger Fleisch zu essen werde die Klimakrise nicht lösen

Eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung weltweit scheine ein guter Ansatzpunkt zu sein, um unsere hohen Produktionsstandards auf den Rest der Welt zu übertragen. In den reichen Ländern, vor allem in Nordwesteuropa, sei die Tierhaltung sehr effizient, die Landwirte seien hochproduktiv, verbrauchten wenig Land und die Produkte hätten relativ geringe Auswirkungen auf das Klima, auch der Tierschutz sei gut. Es würden ständig Verbesserungen vorgenommen, weil die Verbraucher eine geringere Klimabelastung und einen besseren Tierschutz forderten.

Zukunft der Ernährung: „Essen ist politisch“

Eine Studie der Göttinger Forscherin Dr. Anke Zühlsdorf gibt Einblicke in das Essverhalten junger Menschen in Deutschlands Zukunft. Wir haben mit der Autorin gesprochen.

Die Göttinger Verbraucherforscherin Dr. Anke Zühlsdorf hat im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung den Jugendreport zur Zukunft nachhaltiger Ernährung verfasst. Dazu wurden fast 1 500 junge Menschen zu ihrem Essverhalten befragt. Wir haben mit Frau Dr. Zühlsdorf über die Erkenntnisse gesprochen.

Frau Zühlsdorf, im Jugendreport zur Zukunft nachhaltiger Ernährung stellen Sie fest: Essen ist so politisch wie nie zuvor. Was meinen Sie damit?

Zühlsdorf: Viele junge Menschen verknüpfen ihre Ernährung mit Forderungen nach mehr Tier- und Umweltschutz. Wir nennen sie politisierte ­Esser. Fast 90 % der befragten 15- bis 29-Jährigen haben ein großes Interesse an Ernährungsthemen. Und stellen klare Ansprüche an die Politik.

Es geht beim Essen nicht mehr um Genuss oder Sättigung?

Zühlsdorf: Die Konsummotive haben sich geändert. Junge Menschen wollen Lebensmittel genießen. Aber nachhaltig produziert müssen sie sein. Das sieht man auch daran, dass den Befragten der Zusammenhang zwischen Fleischverzehr und Klimawandel sehr klar ist. Das war vor fünf Jahren noch anders.

Junge Menschen wollen Lebensmittel genießen. Aber nachhaltig produziert müssen sie sein.“

Was fordern die jungen Menschen konkret?

Zühlsdorf: Fast 70 % der Befragten fordern staatliche Unterstützung für eine klimafreundliche Ernährung. Nur Wenige (5 %) finden die heutige Tierhaltung in Ordnung. Eine deutliche Mehrheit will strengere Tierschutzgesetze, staatliche Subventionen für Obst und Gemüse und eine Klimakennzeichnung für Lebensmittel.

Verbote wollen die jungen Menschen jedoch nicht.

Zühlsdorf: So ist es. Einen Veggie-Day oder ein Werbeverbot für Fleisch lehnen die Befragten mehrheitlich ab. Diesen Trend sehen wir auch in der Gesamtbevölkerung. Die Leute wollen selbst entscheiden, ob heute der Tag ist, an dem sie doch mal Fleisch essen oder eben nicht.Dr. Anke Zühlsdorf

Dr. Anke Zühlsdorf hat das Essverhalten junger Menschen in Deutschland erforscht. (Bildquelle: Meusener, privat)

Die jungen Menschen haben dem Fleisch also nicht komplett abgeschworen?

Zühlsdorf: Knapp 2/3 der befragten Jugendlichen sind Allesesser. 24 % sind Flexitarier, ernähren sich also hauptsächlich fleischlos und 12 % sind Vegetarier oder Veganer. Dieser Anteil ist doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Bei den jungen Frauen ernährt sich jede dritte flexitarisch. Fast die Hälfte der Jugendlichen hinterfragt ihren Fleischkonsum.

Dieser Hälfte der Befragten fällt der Fleischverzicht noch schwer?

Zühlsdorf: Viele Jugendliche empfinden das vegetarische und vegane Angebot in Kantinen, Mensen und Restaurants als unzureichend. Das ist ein Grund, nicht komplett auf Fleisch zu verzichten. Junge Menschen greifen gerne zu Ersatzprodukten für Fleisch und Milch. Vielen sind die aber noch zu teuer, oder sie mögen einfach ein Stück Fleisch.


Köstinger wirft sich für uns Bauern in die Schlacht

Zwischen Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) und dem Lebensmittelhandel hängt der Haussegen schief. Grund sind Vorwürfe, die großen Supermarktketten ließen den Bäuerinnen und Bauern keine Chance gegen deren Übermacht, es herrschten teils „erpresserische Zustände“ in Sachen Preispolitik. Die Landwirte stellten sich hinter die Ministerin, der Handel reagierte empört.

Adressaten der scharfen Kritik waren konkret die Handelsketten Billa (REWE), Spar und Hofer. „Wer sich wehrt, wird ausgelistet“, so Köstinger im „profil“. Das sei kein fairer Wettbewerb, „das sind unfaire Praktiken“, wurde die Ministerin am Samstag in dem Nachrichtenmagazin zitiert. Es gebe ein Missverhältnis zwischen Erzeugerpreisen und Konsumentenpreisen.

„Steigen die Preise für Konsumenten, schöpft der Handel diese Marge ab und gibt sie nicht an die Bauern weiter. Zahlen die Konsumenten weniger, trägt das nicht der Handel, sondern der Bauer bekommt entsprechend weniger“, so Köstinger. Die Konsumenten würden vom Handel getäuscht: „Der Preiskampf findet jeden einzelnen Tag am Regal statt. Der Handel lockt die Kunden mit billigen Eiern oder billiger Milch. Was die Ketten da verlieren, holen sie sich durch Aufschläge bei anderen Produkten wieder herein.“

Bauernbund-Präsident Georg Strasser (ÖVP) und der Präsident der Landwirtschaftskammer, Josef Moosbrugger (ÖVP), bekräftigten die Kritik der Ministerin. „Die Handelsriesen haben beängstigend viel Marktmacht. Damit sind sie mitverantwortlich für den Strukturwandel in der Landwirtschaft.“ Täglich würden rund zehn Betriebe ihre Hoftore für immer schließen, erklärte Strasser.

Die „Übermacht der Händler im Lebensmitteleinzelhandel“ gehe so weit, dass sich Erzeuger bei offensichtlichen Verfehlungen gar nicht mehr den Mund aufmachen trauen, weil sie Angst vor einer Auslistung haben, bestätigte der ÖVP-Nationalratsabgeordnete Strasser in einer Aussendung und forderte eine gesetzliche Regelung zum Schutz kleiner Erzeuger vor unfairen Handelspraktiken.

„Der bäuerliche Wertschöpfungsanteil ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Die bäuerlichen Familienbetriebe befinden sich in einem massiven Würgegriff des Handels. Es besteht dringend Handlungsbedarf“, bekräftigte Moosbrugger.

Antibiotikaeinsatz: Veto-Empfehlung im Europaparlament gescheitert

Im EU-Parlament ist in dieser Woche das vom Umweltausschuss eingebrachte Veto gegen den delegierten Rechtsakt der EU-Kommission zur Antibiotikanutzung mit großer Mehrheit von den Europaabgeordneten abgelehnt worden. Demnach dürfen Reserveantibiotika auch weiterhin bei der Behandlung von Nutz- und Haustieren eingesetzt werden, berichtet Agra Europe (AgE).

ISN: Wir begrüßen die Ablehnung des Vetos! Denn kranke Tiere müssen insbesondere auch aus Tierschutzgründen behandelt werden können, wenn es notwendig ist. Ein Verbot bzw. eine sehr starke Einschränkung des Einsatzes ganzer Wirkstoffgruppen in der Tierhaltung widerspricht aus unserer Sicht dem Tierschutz.

nsgesamt 450 EU-Parlamentarier stimmten am Mittwoch in Straßburg gegen eine Zurückweisung des Kommissionspapiers, womit die neuen EU-Regeln nun in Kraft treten können. Für das unter dem Berichterstatter, dem grünen Agrarsprecher Martin Häusling, erstellte Veto votierten 204 Abgeordnete, so berichtet Agra-Europe. Mit dem Rechtsakt werden neue Kriterien für die Anwendung von Antibiotika in der Human- und der Veterinärmedizin festgelegt. Demnach dürfen Reserveantibiotika auch weiterhin bei der Behandlung von Tieren eingesetzt werden. Häusling hatte dagegen die Streichung der Zulassung bestimmter antibiotischer Wirkstoffe für die Tiermedizin eingefordert.

Die Europäische Plattform für einen verantwortungsvollen Umgang mit Tierarzneimitteln (EPRUMA) begrüßte das Votum. Damit sei für Tierärzte der Zugang zu spezifischen lebensrettenden Behandlungen sowohl für Nutz- als auch Haustiere weiter sichergestellt. Das Parlament habe die Kriterien, um Antibiotika für die Behandlung bestimmter Infektionen beim Menschen zu reservieren, wie von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) empfohlen, als geeignet angesehen. Die Ablehnung des Entschließungsantrags habe gezeigt, dass die Abgeordneten die Bedeutung der Tiergesundheit und ihre Folgewirkungen auf die öffentliche Gesundheit, Lebensmittelsicherheit, Nahrungsmittelversorgung und die Umwelt verstanden hätten.

EPRUMA betonte, dass ein ganzes Maßnahmenpaket in der Tiermedizin inzwischen zu einer eng kontrollierten Anwendung von Antibiotika führe. Dieses reiche von der Erfassung des Antibiotikaverbrauchs über Einschränkungen und Leitlinien zu deren Abgabe und Anwendung bis hin zum Resistenzmonitoring und der Erfassung von Resistenzdaten bei der Zulassung von Tierarzneimitteln. Diese Anstrengungen hätten in den letzten zehn Jahren europäisch und national zu einem deutlichen Rückgang des Antibiotikaeinsatzes geführt.

Zweiter ASP-Fall bei Wildschwein in der Uckermark – Brandenburg weitet Sperrzone I aus

m Landkreis Uckermark wurde rund 5 Kilometer von den deutsch-polnischen Grenze entfernt ein zweiter Fall von Afrikanischer Schweinepest festgestellt. Um den Fundort wird ein Kerngebiet eingerichtet, die bereits bestehende Sperrzone I (Pufferzone) wird erweitert bis an die Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern. Zudem soll mit einer großflächigen Fallwildsuche das Ausmaß des Seuchengeschehens bestimmt werden.

Im Landkreis Uckermark wurde ein zweiter Fall von Afrikanischer Schweinepest (ASP) bei Wildschweinen nachgewiesen. Das teilte das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg (MSGIV) heute Nachmittag mit. Das Nationale Referenzlabor am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) habe den amtlichen Verdacht heute bestätigt.

Der infizierte Frischling wurde als Fallwild auf dem Gebiet von Blumenhagen, nördlich von Schwedt/Oder gefunden. Der Fundort befindet sich damit westlich des festen Zauns, der zum Schutz vor der ASP entlang der gesamten brandenburgisch-polnischen Landesgrenze errichtet wurde. Die deutsch-polnische Grenze ist etwa 5 Kilometer vom Fundort entfernt.

Wie das MSGIV mitteilte, wird um den Fundort ein Kerngebiet eingerichtet und die bereits bestehende Sperrzone I (Pufferzone) bis an die Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern erweitert. Zudem soll eine durch den Landkreis Uckermark veranlasste intensive und großflächige Fallwildsuche das genaue Ausmaß des Seuchengeschehens bestimmen.

Erstmals war ein ASP-Verdacht am 12. August 2021 in der Uckermark bestätigt worden.

Noch immer: Deutscher Rückstau vor den Schlachthoframpen hält Notierung unten

Anhaltend schwierige Verhältnisse mit seitwärts/abwärts tendierenden Preisen kennzeichnen aktuell den EU-Schweinemarkt. Hauptgrund für die prekäre Lage ist der fehlende Abfluss der EU-Überproduktion über das Exportventil in den asiatischen Markt. In Deutschland (+/- 0,00) fehlt zunehmend Personal an den Schlacht- und Zerlegebändern. Abwerbeaktionen anderer Branchen haben den entstandenen Engpass verursacht. Dieser verringert nun die Aktivität an der Schnittstelle zwischen Lebend- und Fleischmarkt. Der Druck am Fleischmarkt sinkt dadurch, während gleichzeitig die Rückstaubildung vor den Schlachthoframpen und rückwirkend bis zum Ferkelmarkt steigt. In Frankreich, wo den Sommer über stabile Notierungen dominierten, tendieren mittlerweile die Preise dem EU-Trend folgend nach unten. Durchaus saisontypisch ist der Preisverfall in Spanien, nachdem der Großteil der Urlauber die iberische Halbinsel wieder verlassen haben.

Der deutsche Schlachtschweinemarkt präsentiert sich regional weiterhin uneinheitlich, wo-
bei sich die Lage im Süden gut entwickelt. Insbesondere in Bayern wird bereits von ausge-
glichenen oder teilweise sogar knapp versorgten Märkten berichtet. Im Nordwesten und
Osten ist die Nachfrage hingegen ruhig. Über Frischfleischaktionen im Lebensmitteleinzel-
handel wird versucht, kurzfristig die Nachfrage anzukurbeln.

Laut Österreichischer Schweinebörse fließt das Angebot an schlachtreifen Schweinen zeit-
nah ab. Speziell im östlichen Bundesgebiet zeigt sich ein reger Markt auf Grund der Ur-
laubsheimkehrer und der verlängerten Grillsaison. Die Schlachtzahlen und Schlachtge-
wichte tendieren mäßig aufwärts. In der Fleischbranche zeigen sich lokalpatriotische Verarbeiter verärgert, da Branchenkollegen bei der Verarbeitung von EU-Rohstoff aktuell signifikante Wettbewerbsvorteile genießen.

Der Absatz auf den EU-Ferkelmärkten bleibt weiterhin angespannt. Die Situation am euro-
päischen Schweinemarkt setzt den Ferkelhandel und die Preise zunehmend unter Druck.
Aufgrund der hohen Kosten für Zukauffutter nehmen die Ferkelrückstellungen zu, was teil-
weise zu angespannten Verhältnissen auf den Betrieben führt. Die heimischen Ferkel-
erzeuger verlangen in dieser schwierigen Situation Unterstützung seitens der Schweine-
mäster in Form einer konstanten Abnahme.

Medien-Frames in der Berichterstattung über landwirtschaftliche Tierhaltung

Mediale Berichterstattung spielt eine zentrale Rolle für die Akzeptanz der landwirtschaftlichen Tierhaltung in der Gesellschaft.
Presseberichte lassen sich über sog. Medien-Frames charakterisieren und damit leichter auswerten.
Medien-Frames sind „vereinfachte Deutungsmuster einer komplexen gesellschaftlichen Debatte“, die wiederholt auftreten und dentifiziert neun sehr unterschiedliche „Medien-Frames“, die zeigen, dass über landwirtschaftliche Tierhaltung in Printmedien in sehr vielfältigen Deutungsrahmen berichtet wird.

„Die Collaborative Working Group on Sustainable Animal Production (CWG-SAP) definiert nachhaltige Tierhaltung als „wirtschaftlich tragfähig, sozialverträglich und mit minimalen Auswirkungen auf die Umwelt“ (“p-approach”: people, planet, profit).

Gemäß der Geschäftsordnung der CWG-SAP (Geschäftsordnung, 2019) soll die künftige Entwicklung des europäischen Tierhaltungssektors, im Einklang mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (Abbildung 1), auf dem Nachhaltigkeitsdreieck – Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft – aufbauen.

Nachhaltigere tierische Produktionssysteme müssen insbesondere:

  • Emissionen in Boden, Wasser und Atmosphäre minimieren;
  • natürliche und nicht oder nur schlecht erneuerbare Ressourcen umsichtig und effizient nutzen;
  • die biologische Vielfalt schützen und verbessern;
  • öffentliche Güter und kulturelle Dienstleistungen bereitstellen;
  • den Bedürfnissen und Werten der Gesellschaft entsprechen;
  • einen angemessenen Lebensunterhalt für die gegenwärtigen und zukünftigen Generationen von Tierhaltern und Landwirten sichern;
  • über Wettbewerbsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit entlang der gesamte Produktionskette verfügen;
  • die Zucht von robusten und widerstandsfähigen Nutztierrassen forcieren;
  • auf nachhaltige und widerstandsfähige Anbausysteme setzen;
  • höchst mögliche Tierwohlstandards sichern;
  • Futtermittel unter Berücksichtigung aller Aspekte der Futtermittelverwendung effizient nutzen, auch im Hinblick auf den Futtermittel-/Nahrungsmittelwettbewerb;
  • nicht essbare Futtermittel in wertvolles, für den Menschen verwertbares Protein umwandeln;
  • » Abfälle aus landwirtschaftlichen Betrieben in wertvolle Energieressourcen umwandeln (Biodigestoren);
  • die allgemeine Produktivität von Nutztieren verbessern;
  • tierische Produkte von hoher Qualität und hohem Nährwert sowie von gutem Preis-Leistungs-Verhältnis für Verbraucher und Verarbeitungsindustrie anbieten.“

Der Hype nach Nadelsägerundholz läst nach

Die Standorte der österreichischen Sägeindustrie sind sehr gut mit Nadelsägerundholz bevorratet. In Tirol, Niederösterreich und Kärnten wird meist noch von einer regen Nachfrage berichtet, wobei für Kärnten bereits Einkaufsstopps einzelner Abnehmer angekündigt wurden. In Vorarlberg werden Lieferungen abseits des Starkholzes kontingentiert. In der Steiermark ist die Nachfrage in Kombination mit gedrosselter Rundholzzufuhrmöglichkeit abnehmend. In Oberösterreich kommt es aufgrund der großzügigen Aufarbeitung der Sturmschäden und entsprechenden Mengen zu Verzögerungen beim Abtransport.

Anfang Oktober fällt die behördlich verhängte Einschlagsbeschränkung in Deutschland. Dementsprechende Nachholeffekte werden erwartet, gewisse Mengen werden auch auf den österreichischen Markt drängen. Der Preisanstieg der letzten Monate ist zum Stillstand gekommen, die Preise für Fichte A/C, 2b haben sich österreichweit zwischen 105 € und 120 € gefestigt. Unverändert ist auch die rege Nachfrage nach Lärche.

Enspannung bei Schnittholzprodukten

Der Aufschwung der globalen Konjunktur hat schneller und kräftiger als erwartet stattgefunden. Dies führte zu Lagerabbau und Materialengpässen sowie zu höheren Preisen bei Rohstoffen sowie Vorprodukten. In Österreich lag das Wirtschaftswachstum über dem Durchschnitt des Euro-Raumes. Neben dem Aufschwung in der Gastronomie, trägt auch die anhaltende Nachfrage in der Bauwirtschaft dazu bei. Während in anderen Industrie- und Baubereichen der Materialengpass weiterhin für Probleme sorgt, ist bei der Verfügbarkeit von Schnittholzprodukten jedoch eine Entspannung eingetreten.

Hohes Angebot an Hackgut und Sägespäne

Produktionsstillstände sowie ein hohes Angebot an Hackgut und Sägespäne führen zu vollen Lagern bei der Papier-, Zellstoff- und Plattenindustrie. In Abhängigkeit der anfallenden Menge sind die Absatzmöglichkeiten von Industrierundholz sowie der Abtransport regional sehr unterschiedlich. Exporte z.B. nach Slowenien oder Bulgarien sorgen für mengenmäßige Entlastung und weiteren Abbau von Waldlagern. Die Preise sind weiterhin auf unterdurchschnittlichem Niveau. Die Nachfrage nach Rotbuchenfaserholz ist bei stabilen Preisen als normal zu bezeichnen.

Am Energieholzmarkt ist weiterhin kaum Nachfrage zu verzeichnen. Mengen außerhalb bestehender Verträge können kaum abgesetzt werden. Eine Entspannung wird erst mit dem Beginn der Heizperiode erwartet.

Auch bei uns Ferkelpreis rutscht unter die 2 €-Marke

Die aktuelle Gemengelage am europäischen Schweinemarkt ist Gift für die Stimmungslage der Verantwortlichen entlang der gesamten Produktionskette und löst weiterhin starke Verwerfungen im Ferkelhandel und Druck auf die Ferkelpreise aus. Die Einstallbereitschaft der Schweinemäster bleibt wegen nicht berauschender Aussichten beim Schweinepreis und weiterhin hoher Futterkosten auf der verhaltenen Seite. Zumindest haben sich aber die Ferkelpreise auf unserem Referenzmarkt Deutschland zuletzt auf einem sehr niedrigem Niveau, Basis 25 kg 20 € stabilisiert.

Auch bei uns in Österreich geht zahlreichen Schweinemästern das eingelagerte Futter aus, noch bevor die neue Ernte beginnen kann. Die gleichzeitig hohen Kosten für Zukauffutter verursachen ein häufiges Zuwarten in der Ferkeleinstallung. Ferkelrückstellungen nehmen damit zu und erzeugen auf den betroffenen Betrieben teils chaotische Verhältnisse. „Die heimischen Ferkelerzeuger sind mit einer durchgehenden Produktion das gesamte Jahr über verlässliche Partner für die Schweinemäster. Die Schweinemäster werden in diesen fordernden Zeiten ebenfalls um eine Abnahmeverlässlichkeit ohne Unterbrechung ersucht“, so der Appell von Johann Stinglmayr in der aktuellen Aussendung der VLV-Ferkelringe.