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Gülle wird wieder mehr wert

Explodierende Energiepreise zwingen die ersten Unternehmen in Europa, energieintensive Fabriken zu schließen. Der Düngemittelhersteller CF Industries hat vorige Woche die Produktion in zwei britischen Werken eingestellt. Der europäische Dünger-Gigant Yara International, kündigte an, die Ammoniumproduktion wegen der hohen Kosten um 40 Prozent zu reduzieren.

Der deutsche Chemieriese BASF verwies ebenfalls auf die negativen Folgen der extrem hohen Preise für Strom und andere Energieträger wie Gas, Öl und Kohle. Europas Gasspeicher sind weitgehend leer. Die knappe Versorgung und eine gleichzeitig anziehende Nachfrage treiben die Energiepreise europaweit auf immer neue Höchststände.

Gleichzeitig haben sich die Preise für CO2-Zertifikate im europäischen Handelssystem mehr als verdoppelt. Normalerweise wären die Gasspeicher im Sommer wieder aufgefüllt. Dies geschah jedoch nicht. Europas wichtigster Gaslieferant Russland lieferte zum einen weniger als in den Vorjahren. Zum anderen war das Fördervolumen der in der Nordsee gelegenen Gasfelder durch Corona-bedingte Ausfälle erheblich eingeschränkt.

Die erneuerbaren Energien konnten diese Lücke offenbar nicht ausfüllen. Deshalb ist im europäischen Parlament eine heftige Diskussion um die Folgen des Green Deals für die Energieversorgung entbrannt. 

Die US-Investmentbank Goldman Sachs warnt in einem aktuellen Bericht vor möglichen großflächigen Stromausfällen in Europa im kommenden Winter. Den Grund sehen die Energieexperten von Goldman Sachs vor allem in den europaweit leeren Gasspeichern. Sollte der kommende Winter so kalt werden wie der vorherige, droht Europa eine akute Energiekrise, heißt es in der Studie.

Regierungen könnten gezwungen sein, die vorübergehende Abschaltung bestimmter Industrien anzuordnen. Und die Energiekrise trifft diesmal ganz Europa. In Italien sind die Strompreise allein im letzten Quartal um 20 Prozent gestiegen und könnten im Herbst um weitere 40 Prozent steigen, sagte der italienische Umweltminister Roberto Cingolani. Italien hat zudem die staatlich regulierten Gaspreise bereits massiv erhöht und vor dem Winter weitere Preiserhöhungen angekündigt.