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Genug Industrieholz aber Papier wird immer teurer

Auf den Papiermarkt herrscht Ebbe, das bekommen Druckereien und Verlage derzeit schmerzhaft zu spüren. Die Probleme rühren aber nicht nur von der Corona-Krise her – auch der boomende Online-Handel ist ein Grund für die Papierknappheit

Ersetzt der E-Book-Gutschein dieses Jahr das weihnachtliche Buchgeschenk? Das E-Paper das Hochglanzmagazin? Werden Werbewurfsendungen nun vollends elektronisch verdrängt? Buchhandel und Drucker, Händler und Hersteller von Papier, sie alle schlagen Alarm: Es herrscht Papiermangel – wenn auch noch kein dramatischer. Die Preise sind jedoch schon zum Teil astronomisch gestiegen. Wer einen berechenbaren Markt bei Kosten, Lieferzeiten und Flexibilität gewohnt war, muss sich umstellen.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Die Lieferketten für die Rohstoffe mögen international nicht so weit verzweigt sein, wie die von Autoteilen. Aber auch sie wurden durch die Corona-Pandemie und unterschiedlich schnell wieder anspringende Volkswirtschaften durcheinandergewirbelt. Papierfirmen hatten zum Teil auf Kartons umgestellt und kommen nun mit der Produktion nicht nach. Rückläufige Sammelquoten von Altpapier aus Handel und Gewerbe bringen Druckereien durch fehlende Mengen und Preisdruck in die Bredouille. Liefertermine sind nicht zu halten.

Im Buchhandel sollten deswegen allerdings nicht weniger Titel in die Regale kommen. Doch womöglich lässt sich der eine oder andere Bestseller nicht so kurzfristig nachdrucken wie gewohnt. Auch bei Normalpapier sorgen Engpässe für Lieferzeiten bis zu vier Monaten. Das Nachdruckmanagement werde riskanter mit Wartezeiten bis sieben Monate, heißt es vom Börsenverein des deutschen Buchhandels, Termindrucke seien fast unmöglich. Verlagsgruppen, die mit standardisierten Produkten und langfristigen Rahmenverträgen arbeiten, trifft der Mangel an Nachschub weniger als bei Aufträgen für kurzfristige Sonderformate.

So klagen Einkäufer der Verlage vor allem über das Ringen um Liefermengen und über Preise von Papier und Pappen, die für Buchdeckel und Broschuren-Umschläge gebraucht werden. Aber auch der Anteil der grafischen Papiere, aus denen Bücher, Magazine und Zeitungen entstehen, ist seit Jahren schon rückläufig. Die stärkere Verwendung für Verpackungspapiere und Pappen hat der Aufschwung im Online-Handel in der Corona-Krise noch verstärkt – wie übrigens auch der Bedarf der Pharmaindustrie an Verpackungsmaterial.