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In Deutschland geht es jetzt zur Sache – Einzelhandel wirft Schweinefleisch der Haltungsform 1 aus den Regalen

Der Lebensmitteleinzelhandel stellt sein Sortiment an Frischfleisch auf mehr Tierwohl um. Vor allem beim Schweinefleisch findet gerade ein massiver Umbruch statt.

Seit Wochen schon erhalten Schweinemäster in Deutschland von den Schlachtunternehmen einen ruinösen Erzeugerpreis von nur rund 1,20 Euro je kg Schlachtgewicht. Und trotz dieses extremen Preisdrucks baut der Lebensmitteleinzelhandel sein Sortiment an frischem Schweinefleisch gerade im Eiltempo um zu mehr Tierwohl.

Seit drei Jahren fragt die Umweltorganisation Greenpeace bei den großen Lebensmittelketten die Anteile von Fleisch der Haltungsformen 1 bis 4 ab. Die Antworten der Handelsriesen aus der jüngsten Befragung im September 2021 zeigen: Schweinefleisch aus Stallhaltung nach gesetzlichem Mindeststandard verschwindet aus den Regalen. Schon ab dem kommenden Jahr dürfte es im Wesentlichen nur noch der Weiterverarbeitung dienen.

Acht Handelsketten steigen bei Haltungsform 1 aus

Schweinefleisch Tierwohl Greenpeace
© Norbert Lehmann / agrarheute Bei frischem Schweinefleisch steigt der Lebensmitteleinzelhandel aktuell bei Haltungsform 1, dem gesetztlichen Mindeststandard, in hohem Tempo aus (Datenquelle: Greenpeace).

Nach der Selbstauskunft der Handelsketten gegenüber Greenpeace hat der Handel sein Sortiment an frischem Schweinefleisch der Eigenmarken innerhalb von nur einem Jahr größtenteils auf Haltungsform 2 umgestellt, also auf Fleisch aus Ställen mit 10 Prozent mehr Platz, zusätzlichem Raufutter und ITW-Siegel. Rund 57 Prozent des Schweinefleischs der Eigenmarken in SB-Verpackungen und an der Theke stammten danach bei Aldi, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto, Penny und Rewe in diesem Jahr aus Haltungsform 2. Im vergangenen Jahr waren das erst 3,6 Prozent.

Zugleich schrumpfte die bisher dominierende Ware aus Stallhaltung nach gesetzlichem Standard von über 90 Prozent Marktanteil in den Kühlregalen des Einzelhandels auf nur noch gut ein Drittel.

Hinzu kommt, bis auf Netto haben von den befragten Unternehmen alle angekündigt, schon bis Ende dieses Jahres komplett auf frisches Schweinefleisch aus Haltungsform 1 zu verzichten.

Auffällig ist, dass die Haltungsformen 3 und 4, die vielfach als die Zukunft beschrieben werden, am Markt für frisches Schweinefleisch nahezu bedeutungslos sind. Ihr Anteil erreichte im laufenden Jahr gerade einmal 3,8 beziehungsweise 5,4 Prozent. Bis zu dem von Aldi, Rewe und Penny angekündigten Ausstieg aus Haltungsform 2 spätestens 2030 ist es also noch ein weiter Weg.

Aktuell testet Aldi Süd offenbar die Zahlungsbereitschaft der Verbraucher. Der Handzettel für die laufende Woche bietet dem Kunden die Wahl zwischen Schweinehack aus Haltungsform 2 zum Kilopreis von 3,49 Euro und aus Haltungsform 3 für 8,30 Euro, also mehr als das Doppelte.

Aldi ist nur gefühlt der Schrittmacher

Interessant ist auch ein Vergleich der acht Handelsketten untereinander. Vielfach wird der Discounter Aldi als Schrittmacher der Entwicklung zu mehr Tierwohl wahrgenommen, nicht zuletzt durch die überraschende Ankündigung, bis 2030 vollständig auf Haltungsform 3 und 4 umzusteigen. Zurzeit haben aber andere Unternehmen die Nase vorn.

Netto verkauft nach eigenen Angaben schon jetzt nur noch Schweinefleisch aus Haltungsform 2. Rewe kommt auf Anteile von 89 Prozent an der Theke und 32 Prozent in SB, Lidl auf 87 Prozent in SB. Aldi Nord und Süd melden hingegen nur einen Anteil von knapp 37 Prozent beziehungsweise 30 Prozent. Bei Aldi macht Haltungsform 1 noch mehr als die Hälfte des frischen Schweinefleischs aus.