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Düngerpreise und Düngerkrise: Wir Europas Bauern sind am schlimmsten dran

Eine Hiobsbotschaft jagt die nächste. Dünger bleibt in Europa knapp und extrem teuer. Das hat Folgen für die Kosten der Landwirte und für die Nahrungsmittelpreise – weltweit.

Europa wurde am stärksten von den Kürzungen der Düngerproduktion infolge der steigenden Kosten für das zu seinem Betrieb verwendete Erdgas getroffen. Die Preise für Mineraldünger blieben weiter auf Rekordniveau, selbst als die Harnstoffpreise in Nordamerika nachgaben“ schreiben Analysten von Bloomberg in einem Bericht.

Europa könnte im ersten Halbjahr mit einem Defizit von etwa 9 Prozent seines jährlichen Bedarfs an Stickstoffdünger konfrontiert sein, schätzen die Analysten der Investmentbank VTB Capital. Lebensmittel dürften noch teurer werden, weil die Ernten darunter leiden und die Erntepreise für Brotgetreide steigen.

Ebenfalls vorige Woche berichteten Bloomberg-Autoren: „Während Europas Landwirte sich darauf vorbereiten, nach dem Winter Düngemittel auf die Felder auszubringen, lassen ihnen die himmelhohen Nährstoffpreise keine andere Wahl, als weniger zu verbrauchen und zu versuchen, die Kosten weiterzugeben“.

„Für Erzeuger von Grundnahrungsmitteln wie Mais und Weizen ist es das erste Mal, dass sie wirklich einer echten Düngemittelkrise ausgesetzt sind, die durch Energieknappheit, Exportbeschränkungen und Handelssanktionen angeheizt wird. Es kostet jetzt viel mehr, Dünger und Agrar-Chemikalien zu kaufen, die für Winterkulturen benötigt werden, die jetzt aus der Winterruhe kommen und die zusätzlichen Kosten könnten die Frühjahrsaussaat negativ beeinflussen, die etwa ein Drittel der europäischen Getreideproduktion ausmacht,“ schreiben die Analysten von VTB Capital.

Ein Bericht, der im Januar von der Texas University veröffentlicht wurde, kommt zu folgender Einschätzung: „Unabhängig von den Faktoren, die den Kostenanstieg vorantreiben, sieht die Realität vor Ort so aus, dass die Produzenten mit der Aussicht auf einen enormen Kostenanstieg im Frühjahr 2022 konfrontiert sind .“

Im Jahr 2021 lag der Lebensmittelpreisindex der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen im Durchschnitt bei 125,7 Punkten, was dem höchsten Wert der letzten 10 Jahre entspricht. Neben steigenden Preisen gibt es anhaltende Sorgen hinsichtlich der Verfügbarkeit von Düngemitteln, was sich wahrscheinlich auf die Aussaat auswirken wird. Wenn Landwirte aufgrund des knappen Angebots den Einsatz von Düngemitteln einschränken müssen, wird dies letztendlich zu Druck auf Ertrag und Produktion führen.

Die derzeitige Entwicklung deutet ziemlich eindeutig darauf hin, dass die Landwirte nicht bereit sind, „normale“ Mengen zum aktuellen Preisniveau für Düngemittel zu kaufen, so der Kommentar von IHS. „Das letzte Mal als die Kalipreise für einen längeren Zeitraum (das war 2009) auf solch hohem Niveau waren, hat sich die globale Jahresnachfrage fast halbiert“, heißt es weiter. Und wenn die Erdgaspreise auf dem derzeitigen Niveau gehalten werden oder höher steigen, müssen die Agrarpreise weiter sehr hoch bleiben, um die benötigten Hektar zu bestellen, und dies wird wiederum zu höheren Lebensmittelpreisen führen, glauben die Analysten.