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Agrarexperte warnt: Putin wird Hunger als Waffe einsetzen

Der russische Präsident Putin wird versuchen, Hunger als Waffe einzusetzen, um den Westen zu destabilisieren. Davor warnt der Göttinger Agrarökonom Prof. Stephan von Cramon-Taubadel. Er fordert dringend politische Konsequenzen aus dem Krieg in der Ukraine.

In einer Folgenabschätzung zur russischen Invasion in der Ukraine kommt Cramon-Taubadel zu dem Schluss, dass die Getreideausfuhren des Landes selbst in einem optimistischen Szenario im Wirtschaftsjahr 2022/23 von 64 Millionen Tonnen im Vorjahr um 35 Millionen auf nur noch 29 Millionen Tonnen zurückgehen werden. Das wäre mindestens eine Halbierung der Exporte. Die Weltagrarmärkte haben Anfang März bereits mit einem Anstieg der Getreidepreise auf historische Rekordhöhen reagiert.

Der Göttinger Agrarökonom warnt eindringlich davor, dass die Lebensmittelversorgung von hunderten Millionen Menschen in armen, importabhängigen Ländern gefährdet wird. Besonders betroffen wären Afrika und Südostasien.

Cramon-Taubadel geht davon aus, dass der „russische Diktator“ versuchen wird, Hunger als Waffe einzusetzen. Putin hoffe darauf, die Migrationsströme anzukurbeln. Getrieben von Ernährungsunsicherheit und Instabilität würden sich die Menschen in Afrika und im Nahen Osten auf den Weg in die EU machen. Das werde die Solidarität der EU schwächen und auflösen.

Putin werde den Westen beschuldigen, Hunger und Ernährungsunsicherheit zu verstärken, prognostiziert der Wirtschaftswissenschaftler. Russland werde sich als rettender Helfer in der Not präsentieren, der aufgrund wirtschaftlicher und finanzieller Sanktionen des Westens aber kein Getreide liefern könne.

ür reiche Länder wie Deutschland sieht der Agrarökonom die Versorgungssicherheit nicht in Gefahr. Die Lebensmittelpreise würden steigen, aber die meisten Haushalte könnten sich das leisten, sagt Cramon-Taubadel. Haushalten mit niedrigen Einkommen könnten durch gezielte soziale Hilfen unterstützt werden.

Für die Politik in der EU leitet der Göttinger Agrarexperte klare Empfehlungen ab: Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) muss hinterfragt werden. Die russische Invasion der Ukraine zwinge uns anzuerkennen, dass Agrarpolitik eine geostrategische Dimension habe, unterstreicht Cramon-Taubadel.

Der Ökonom warnt, es wäre unverantwortlich, ein Viertel der EU-Agrarfläche für den Ökolandbau zu nutzen, der mindestens ein Drittel weniger Erträge erbringe, und den Pflanzenschutzeinsatz um die Hälfte zu verringern, was ebenfalls zulasten der Erträge gehe, wenn die Welt auf Jahre hinaus bei Getreide hoffnungslos unterversorgt sei. Prof. Dr. Stephan von Cramon-Taubadel von der Universität Göttingen