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USDA erwartet 2022/23 knappe Versorgungslage bei Weizen und Mais

Laut dem aktuellen Report des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) erwarten Analysten bei der Getreideernte 2022/23 Abschläge. Insbesondere den Weizenmarkt sieht das US-Agrarressort in der neuen Saison knapp versorgt, berichtet Agra Europe.

Das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) hat gestern eine erste Prognose zur Entwicklung des Weltgetreide- und Ölsaatenmarktes im Wirtschaftsjahr 2022/23 vorgelegt. Danach bleibt der internationale Weizenmarkt auch in der neuen Saison knapp versorgt. Die globale Produktion wird bei 774,8 Mio. t gesehen, 4,5 Mio. t unter dem Aufkommen der laufenden Saison. Dem soll beim weltweit wichtigsten Halmgetreide ein Verbrauch von 787,5 Mio. t gegenüberstehen. Durch den vom USDA prognostizierten Nachfrageüberhang werden die globalen Weizenreserven im Laufe der Saison vermutlich um weitere 12,7 Mio. t auf nur noch 267,0 Mio. t abschmelzen.

Der russische Einmarsch in die Ukraine kostet nach aktuellem Stand ein Drittel einer normalen Weizenernte in dem osteuropäischen Land: Die ukrainische Weizenproduktion für 2022/23 veranschlagt das US-Agrarressort nämlich auf nur 21,5 Mio. t, nach 33,0 Mio. t zur letzten Ernte. Die EU-Weizenproduktion taxiert Washington nach aktuellem Stand auf 136,5 Mio. t. Das wären 1,9 Mio. t weniger als 2021/22. Allerdings dürfte dies noch nicht die ganze Wahrheit sein, denn die wegen der anhaltenden Frühjahrstrockenheit in Frankreich und Deutschland zu erwartenden Ertragseinbußen sind in dieser Schätzung noch nicht komplett enthalten. Die US-Produktionsschätzung für den Heimatmarkt liegt bei 47,1 Mio. t und damit 2,3 Mio. t über der Vorjahresmarke. Zudem soll die Weizenproduktion in Russland um 5 Mio. t auf 80 Mio. t klettern.

Die internationalen Weizenterminmärkte reagierten mit starken Kursaufschlägen auf die bullischen Zahlen der Washingtoner Experten: An der Weltleitbörse von Chicago verteuerte sich der dort gehandelte Futterweizen innerhalb von Minuten um mehr als 5 %. Im Nachhandel auf Freitag ging es mit den Notierungen dann weiter nach oben, und heute Morgen kratzt der Juli-Kontrakt bereits an der psychologisch wichtigen 12-Dollar-Marke (418 Euro/t).

Wenig Entspannung ist für 2022/23 auch am globalen Maismarkt zu erwarten. Dort soll einer laufenden Produktion von 1,180 Mrd. t ein Verbrauch von 1,185. Mrd t gegenüberstehen. Die Reserven schrumpfen dadurch voraussichtlich von 309,4 Mio. t auf 305,1 Mio. t. Die Maiserzeugung in der Ukraine soll sich im Jahresvergleich mehr als halbieren. Nach 42,1 Mio. t im letzten Jahr sollen in diesem Herbst nur 19,5 Mio. t gedroschen werden. Der Maisexport des osteuropäischen Landes ist durch die Sperrung wichtiger Seehäfen schon mit dem Kriegsausbruch kollabiert. Für 2022/23 rechnet das USDA mit ukrainischen Maislieferungen in Höhe von 9 Mio. t, nach 23,0 Mio. t in der aktuellen Kampagne. Auf die erste Maisschätzung für 2022/23 reagierten die Marktakteure an der Terminbörse von Chicago gestern nicht ganz so euphorisch wie beim Weizen. Unter Strich ging es beim Juli-Mais um 0,8 % auf umgerechnet 300 Euro/t nach oben.

Auch die US-Sojanotierungen bewegten sich nach Veröffentlichung des ersten USDA-Reports für 2022/23 leicht im Plus, obwohl dieser für die weltweit wichtigste Ölsaat zumindest leichte Entspannung vorhersagt. Einem weltweiten Angebot von 394,7 Mio. t soll hier eine Nachfrage von 377,4 Mio. t gegenüberstehen. Die globalen Sojareserven könnten dadurch im Saisonverlauf von 85,2 Mio. t auf 99,6 Mio. t wachsen.