Schweinemarkt vollständig geräumt-aber keine Preiserhöhung

Laut Österreichischer Schweinebörse war die vollständige Räumung des Schweine-
marktes primär dem um ca. 10 Prozent unter dem Durchschnitt liegenden Angebot ge-
schuldet. Das abwärts tendierende Schlachtgewicht von 97,4 kg war eine Folge der flotten
Abholung schlachtreifer Schweine, aber auch der hochsommerlichen Temperaturen, die
das Wachstum in den Maststallungen verlangsamten. Nach Angaben der Handelsketten
sorgte das inflationsbeeinflusste Kaufverhalten der Konsumenten für einen Rückgang des
Fleischabsatzes um etwa 15 Prozent. Die Notierung bleibt gleich.

Auf dem österreichischen Ferkelmarkt wog der Rucksack zurückgestellter Ferkel aus den
Vorwochen nach wie vor schwer. Die Verkaufsgewichte waren deutlich höher als üblich.
Für die Mäster bedeutete das einen deutlichen Startvorteil, der zumindest bei Ferkeln aus
der Vermittlung nicht verrechnet wurde. Die Notierung bleibt in der 26. Kalenderwoche
unverändert bei EUR 2,50 je kg.

Der EU-Schweinemarkt wurde weiterhin vom geringen Angebot bestimmt. Die Nachfrage
fiel uneinheitlich aus, abhängig vom Fleischmarkt in den Mitgliedsländern. Während in
Südeuropa der Bedarf an Schweinefleisch durch die steigenden Touristenzahlen zunahm,
klagte man in anderen Regionen noch immer über stockende Geschäfte. Aufgrund der
wenigen verfügbaren Schlachtschweine stiegen die Notierungen dennoch mehrheitlich.
In Deutschland passt das rückläufige Angebot gut zum Bedarf der Schlachthöfe. Der
Handel mit Schweinefleisch wird etwas lebhafter, vor allem dank der Grillartikel. Allerdings
dämpfen die am Monatsende beinahe erschöpften Haushaltsbudgets und die beginnende
Urlaubszeit die Nachfrage der Konsumenten. Damit besteht kein Spielraum für eine wei-
tere Preisanhebung.

„Das Aus fürs Tierwohlfleisch“?

Der gesamte Plan zum Umbau der Tierhaltungbasiert auf der Grundannahme, dass unser Wohlstandsniveau hoch ist und weiter steigt, ordnet die Agrarjournalistin Christin Benecke für die DLG-Mitteilungen die Forderung nach mehr Tierwohl korrekt ein. Aber auch das ist nur die halbe Wahrheit. Das Moralparadoxon beschreibt die Kluft zwischen Anspruch und Kaufverhalten – auch in Wohlstandsgesellschaften. Für mehr Tierwohl ist jeder; man will dafür aber nicht zahlen. Der Ratschlag der Journalistin, den diese aufgrund der zögerlichen Haltung der Bundesregierung zur Finanzierung einer Tierhaltungstransformation den Schweinehaltern gibt, ist berechtigt: Denn wer im guten Glauben auf eine beständige staatliche Finanzierung große Summen investiert, die wie auch immer konzipierte Finanzierung dann aber, wegen Unzumutbarkeit für Verbraucher und Staatshaushalt gekippt wird, der ist auf jeden Fall ruiniert.

Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen!

Seit Anfang April kennzeichnet Lidl seine Fleischprodukte mit einem eigenen Stufensystem. So sollen Kunden des Discounters auf den ersten Blick erkennen, wie tierfreundlich ein Produkt entstanden ist. Die einzelnen Stufen entsprechen dabei bestehenden Tierschutzstandards – von den gesetzlichen Mindestanforderungen an die konventionelle Tierhaltung auf der untersten Stufe, über das eher schwache Label der Initiative Tierwohl bis hin zu Biostandard auf der höchsten Stufe.

Allerdings zeigen die vergangenen zwei Monate seit Einführung der Kennzeichnung laut Lidl: Je tierfreundlicher und somit teurer ein Produkt, desto weniger wird es nachgefragt. Das sagte Jan Bock, Einkaufschef von Lidl Deutschland, der „Süddeutschen Zeitung  „. Dieser Trend widerspreche Umfragewerten, wonach 90 Prozent der Verbraucher sich bereit erklärten, mehr Geld für Fleisch aus tierfreundlicherer Produktion auszugeben. „Die Moral endet oft am Geldbeutel, das ist nach unserer Erfahrung so“, sagte Bock.

Das eigene Stufensystem für mehr Transparenz sieht Lidl-Manager Bock dennoch als Schritt in die richtige Richtung. Ziel müsse sein, die Standards der Tierhaltung nachhaltig anzuheben. Beispiele – etwa aus den Niederlanden – hätten gezeigt, dass Umstellungen des Konsumverhaltens und der Branchenstandards mehrere Jahre dauerten.

Viehzählungsergebnisse in Deutschland: Niedrigster Schweinebestand seit über 30 Jahren – Riesige Ausstiegswelle rollt

Die ersten Viehzählungsergebnisse der einzelnen Bundesländer haben bereits in den letzten Tagen die dramatische Entwicklung angedeutet, die jetzt durch die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes bestätigt wurde: der Schweinebestand in Deutschland ist weiter massiv gesunken und auch die Anzahl der schweinehaltenden Betriebe geht weiter dramatisch zurück. Zum Stichtag 03. Mai 2022 wurden insgesamt 22,3 Mio. Schweine gehalten, 6,2% weniger als noch vor einem halben Jahr. Der Schweinebestand in Deutschland ist damit auf dem niedrigsten Stand seit über 30 Jahren. Die Zahl der schweinehaltenden Betriebe hat sich in den letzten 10 Jahren fast halbiert.

ISN: Auch wenn die Zahlen bereits erwartet wurden, sind sie doch erschreckend. Eine riesige Ausstiegswelle rollt. Kein Wunder, denn die deutschen Schweinehalter erleben eine in diesem Ausmaß noch nie dagewesene Vielfachkrise. Nur auskömmliche Preise für Ferkel und Mastschweine und ein Auflagenmoratorium können die dramatische Entwicklung noch abschwächen.

In der Pressemitteilung von Destatis zeichnet sich für die einzelnen Tierkategorien beziehungsweise Gewichtsklassen folgendes Bild: Zum Stichtag 3. Mai 2022 wurden 10,3 Mio. Mastschweine in Deutschland gehalten, das waren 8,7 % bzw. 983.300 Tiere weniger als noch ein Jahr zuvor. Auch die Zahl der Jungschweine bis unter 50 Kilogramm Lebendgewicht ging binnen Jahresfrist deutlich um 16 % (711.700 Tiere) auf 3,8 Mio. Tiere zurück. Die Zahl der Zuchtsauen verringerte sich im Vergleich zu Mai 2021 um 9,3 % bzw. 152.900 auf 1,48 Mio. Tiere. Am 3. Mai 2022 wurden insgesamt 6,8 Mio. Ferkel gehalten, das sind 7,6 % bzw. 559.700 weniger im Vorjahresvergleich.

Nicht nur der Schweinebestand ist rückläufig, auch immer mehr Schweinehalter geben ihren Betrieb auf. Zum 3. Mai 2022 gab es 17.900 schweinehaltende Betriebe. Das waren 5,2 % oder 1.000 Betriebe weniger als noch im November 2021. Der deutsche Schweinebestand ging damit im vergangenen Halbjahr prozentual stärker zurück als die Zahl der Betriebe. Im Vergleich zum Vorjahr lag der Rückgang der schweinehaltenden Betriebe bei 9,6 % (1.900 Betriebe).

Auch der Zehnjahresvergleich zeigt die abnehmenden Tendenzen bei den gehaltenen Schweinen und Betrieben: Die Zahl der Schweine sank seit 2012 um 20,8 % oder 5,8 Mio. Tiere, während die Zahl der Betriebe sogar um 41,0 % (12 .00 Betriebe) abnahm. Da die Zahl der Betriebe stärker abnahm als die Zahl der gehaltenen Schweine, erhöhte sich der durchschnittliche Schweinebestand in den vergangenen zehn Jahren von 929 auf 1.248 Schweine je Betrieb.

Destatis zieht als Fazit aus den heute veröffentlichten Zahlen, dass sowohl im letzten halben Jahr die Anzahl der schweinehaltenden Betriebe als auch die Zahl der gehaltenen Schweine stark zurückgegangen ist. Trotz der zuletzt deutlich gestiegenen Preise für Schlachtschweine bleibe die wirtschaftliche Lage vieler landwirtschaftlicher Betriebe unter anderem aufgrund von gesteigerten Energie-, Düngemittel- und Futtermittelkosten und damit höheren Produktionskosten weiterhin schwierig.

Die ersten vorläufigen Ergebnisse der Mai-Viehzählung aus einzelnen Bundesländern haben es bereits angedeutet, jetzt liegen die Zahlen für ganz Deutschland schwarz auf weiß auf dem Tisch und beweisen, wovor wir in den letzten Monaten immer wieder gewarnt haben: Eine riesige Ausstiegswelle in der Schweinehaltung rollt. Die Zahlen sind erschreckend und doch leider wenig verwunderlich. Immerhin befinden sich die deutschen Schweinehalter seit über zwei Jahren in einer noch nie dagewesenen Multikrise, kommentiert ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack die aktuellen Zahlen.

Wir erleben hier eine Katastrophe biblischen Ausmaßes“

Die Verzweiflung der Bauern in der Po-Ebene lässt auch höchste kirchliche Würdenträger nicht unberührt. Der Mailänder Erzbischof Mario Delpini wird am Samstag gleich in drei ländlichen Kirchgemeinden seiner Diözese Gottesdienste halten, um „für das Geschenk des Wassers und für einen weisen Umgang mit diesem lebenswichtigen Element“ zu beten, wie die Erzdiözese Mailand mitteilte.

Bereits in den vergangenen Tagen hatten mehrere Landpriester in den besonders von der Hitze und Dürre betroffenen Regionen Piemont, Lombardei und Emilia-Romagna mit den Gläubigen Prozessionen durchgeführt – auf dass es der Himmel auf die ausgetrocknete Erde und die verdorrten Felder endlich wieder einmal regnen lasse.

Bisher blieben die Fürbitten ohne Erfolg: Ganz Italien und besonders die Po-Ebene leidet in diesen Tagen unter einer Trockenheit und Hitze, wie sie seit mindestens acht Jahrzehnten nicht mehr vorgekommen ist. Im Piemont hat es seit Anfang Dezember nicht mehr richtig geregnet, in der Emilia-Romagna liegt der Pegel des „Grande Fiume“, des größten Flusses in Italien, acht Meter unter dem Normalstand dieser Jahreszeit.

Bei der Messstation von Pontelagoscuro, einige Kilometer oberhalb des Po-Deltas, flossen am Mittwoch noch 160 Kubikmeter pro Sekunde in Richtung Adria. Normal wären in dieser Jahreszeit 1500 bis 2000 Kubikmeter – der Po ist zu einem Rinnsal verkümmert. Weil der Pegel des Flusses tiefer liegt als der Meeresspiegel, fließt Salzwasser aus der Adria im Flussbett inzwischen mehr als zwanzig Kilometer ins Landesinnere und dringt in die Felder und in das Grundwasser ein.

Die Folge davon schildert Giancarlo Mantovani, Direktor des Unterhalts-Konsortiums des Po-Deltas: „Im Umkreis von 200 Metern des Flusslaufs wächst nichts mehr; die Erde ist zur Wüste geworden.“ Wegen des Einsickerns von Salzwasser ins Grundwasser sei es nur eine Frage der Zeit, „bis aus den Wasserhähnen Salzwasser fließt“.

Nicht besser sieht es im oberen Flusslauf aus, im Piemont. „Glauben sie mir, ich übertreibe nicht: Wir erleben hier eine Katastrophe biblischen Ausmaßes“, sagt der Landwirt Giuseppe Casalone, dessen Betrieb einige Kilometer südlich von Novara liegt. Der größte Teil seiner Pflanzen ist so vertrocknet, dass nun auch Regen nicht mehr helfen würde: Die Jungpflanzen sind bereits abgestorben. Und der Sommer hat gerade erst begonnen – die trockensten und heißesten Monate des Jahres, der Juli und der August, stehen noch bevor. https://3d36b70ad3339305d5f1e55990a020f5.safeframe.googlesyndication.com/safeframe/1-0-38/html/container.html

Laut dem italienischen Bauernverband Coldiretti betragen die Ernteausfälle bei den frühen Getreidesorten bereits heute rund 30 Prozent. Bei den Früchten und Gemüsen rechnet der Verband mit einem Ausfall von 40 Prozent.

Am meisten leiden die Reisbauern: „Wenn es nicht sehr bald regnet, gibt es ein Desaster“, betont Paolo Carrà, Präsident der Reisproduzenten von Novara, Biella und Vercelli im Piemont. In dieser Jahreszeit müssten die Reisfelder eigentlich geflutet werden, was angesichts des dramatischen Tiefstands der Flüsse derzeit kaum noch möglich sei.

Noch relativ wenig ist von dem Wassermangel am Gardasee zu spüren: Er ist zwar auch nur noch zu 60 Prozent gefüllt, aber noch sind die Urlaubsfreuden an dem bei Touristen und Einheimischen gleichermaßen beliebten Gewässer ungetrübt. Aber genau deswegen tobt hinter den Kulissen ein erbitterter Streit um die Abflussmenge – immerhin handelt es sich beim Gardasee mit seinem Fassungsvermögen von 50 Milliarden Kubikmetern um das größte Wasserreservoir Oberitaliens.

Um dem Po, seiner Fauna und den Landwirten südlich des Sees zu Hilfe zu kommen, hat die Regulierungsbehörde für das Po-Becken bei Peschiera del Garda eine Öffnung der Schleusen angeordnet, um die Abflussmenge über den Fluss Mincio zuerst um 10 und dann um 30 Kubikmeter pro Sekunde zu erhöhen. Solche Maßnahmen sind nationalen Gesetz für derartige Krisensituationen vorgesehen.

Meuccio Berselli, Leiter der Regulierungsbehörde für den Po, sieht das anders – und er fordert von den Gardasee-Gemeinden „Kollegialität und Zusammenarbeit“. Solidarisch zeigten sich in diesen Tagen die Stromversorger Enel, Edison und A2A, die zugesagt haben, in den kommenden zehn Tagen insgesamt fünf Millionen Kubikmeter aus ihren Stauseen abzulassen, um die Not der Landwirte rund um den Po zu lindern.

„Aber danach sind die Reserven zu Ende, denn auch unsere Wasserspeicher sind nur noch zur Hälfte gefüllt“, betonte gestern ein Sprecher von Enel. Mit anderen Worten: Die Notmaßnahmen sind weitgehend ausgeschöpft – jetzt hilft vielleicht tatsächlich nur noch beten.

Tagesspiegel Background Energie & Klima Artikel von Dominik Straub

Die Ära der Knappheit beginnt

Nahrungs- und Energiekrise treiben die Preise. Überall fehlen Arbeitskräfte. Experten sehen Knappheit als neuen Megatrend – unter dem das Wachstum leiden wird. Eine Epoche, die unseren Wohlstand über Jahrzehnte mehrte, geht zu Ende. Dieser ist jetzt bedroht.

Energieknappheit, Engpässe bei Lebensmitteln, Mangel an Rohstoffen und Mikrochips – die Welt erlebt derzeit ein Phänomen, das für viele Menschen vollkommen neu ist. Die Preise klettern in die Höhe, die Produktion läuft vielerorts nicht rund, und im Globalen Süden drohen Hungersnöte.

Politiker verweisen auf die Nachwirkungen der Coronapandemie und die Folgen des Krieges in der Ukraine. Tatsächlich aber hat beides eine Krise lediglich beschleunigt, die sich schon vorher abgezeichnet hat.

Diese Situation werde sich auf absehbare Zeit auch nicht nachhaltig bessern, sondern sogar verschärfen, lautet das düstere Szenario. Denn neben den kurzfristigen Auswirkungen neuer Corona-Beschränkungen wie aktuell in China und den weitreichenden Kriegsfolgen führt die Studie mehrere andere Faktoren an, die langfristig die Wachstumsaussichten verschlechtern – gerade auch in Europa.

Denn das Zeitalter der kostengünstigen Produktion sei zu Ende. Knappheit werde deshalb die kommenden Jahrzehnte prägen. Damit drohten auch die Preise hoch zubleiben.

In den vergangenen drei Jahrzehnten herrschten global gesehen äußerst wachstumsfreundliche Rahmenbedingungen. Die Altersstruktur der Weltbevölkerung war mit einem ungewöhnlich hohen Anteil an Erwerbsfähigen günstig.

Jetzt aber kehrten sich diese Wachstumstreiber ins Gegenteil um – und zwar gleichzeitig, wie Bertelsmann-Wirtschaftsexperte Thieß Petersen unterstreicht. Die Alterung der Bevölkerung macht sich in Europa schon bemerkbar und wird in den nächsten Jahren immer mehr zum Problem werden. Anzeige

Eine weitere Erschwernis ist die zunehmende Knappheit an Rohstoffen. Hinzu kommt noch die von vielen Ländern betriebene Klimapolitik, die eine Verteuerung emissionshaltiger Produkte vorsieht. Auch der Transport kostet mehr. Viele der heutigen Geschäftsmodelle lohnen sich dann nicht mehr.

Die Knappheit an Gütern und Dienstleistungen wird auch durch die Deglobalisierung verschärft, die Ökonomen auch schon vor Corona-Zeiten beobachten. Zunehmender Protektionismus, exzessive Subventionierung und geopolitische Spannungen behindern immer stärker den internationalen Handel.

Die Strategie vieler Staaten, ihren eigenen Unternehmen Vorteile auf Kosten der ausländischen Konkurrenten zu verschaffen, führt dazu, dass am Ende alle verlieren. Vor allem China und die USA werden oft als Beispiele für ein solches Foulspiel genannt.

„Außerdem ist die EU in den letzten zehn Jahren zunehmend protektionistisch geworden“, kritisiert der Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO). So setze Brüssel besonders oft „Handelsschutzmaßnahmen“ wie etwa Antidumping-Zölle ein. Und Wirtschaftssanktionen wie aktuell gegen Russland würden auch gegen kleine Länder wie Kambodscha eingesetzt, um das dortige autokratische Regime zu bestrafen.

Quelle: Infografik WELT

Doch wieder Schweine ? -Getreidepreise im freien Fall – Die Suche nach Erklärungen

Der dramatische Absturz der Getreidepreise und der Rapspreise setzt sich am Donnerstag fort. Händler, Analysten und Landwirte suchen nach Erklärungen für den Preisrutsch. Als erste Erklärung gilt die Einrichtung eines potenziellen sicheren Seekorridors für den Getreideexport vom Schwarzen Meer.

Die Weizenpreise der neuen Ernte fallen am Donnerstag im laufenden Handel um weitere 11,50 Euro auf 359 Euro Tonne. Das ist gegenüber der letzten Preisspitze von Mitte Mai von 441 Euro ein Preissturz von 82 Euro oder knapp 20 Prozent. Noch schlimmer geht es für den Raps nach unten: Hier fallen die Preise für die neue Ernte im laufenden Handel am Donnerstag um weitere 24 Euro auf 671 Euro je Tonne. Gegenüber der letzten Preisspitze von Mitte Mai, von 881 Euro je Tonne, ist das ein Absturz von 210 Euro oder 24 Prozent.

Doch was sind die Auslöser für diesen Preisverfall, fragen sich Landwirte und Analysten und suchen nach plausiblen Erklärungen. Als erstes Argument dient natürlich die mögliche Schaffung von See-Korridoren für den Getreideexport aus dem ukrainischen Hafen Odessa. Russland und die Türkei einigten darauf, die Gespräche über einen potenziellen sicheren Seekorridor im Schwarzen Meer fortzusetzen, um Getreide aus der Ukraine zu exportieren, teilten das russische und das türkische Verteidigungsministerium am Mittwoch mit.

In einer Erklärung sagte das türkische Verteidigungsministerium, dass ein türkisches Frachtschiff, die Azov Concord, Mariupol als Ergebnis der Gespräche ebenfalls sicher verlassen habe, und fügte hinzu, dass das Schiff das erste ausländische Schiff sei, das den Hafen seit der russischen Invasion der Ukraine am 24. Februar verlassen habe.

Analysten haben neben der Entwicklung am Schwarzen Meer aber noch andere Erklärung für den Preissturz parat. So sagt der Analyst Gautier Le Molgat von Agritel, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP: „Wir stehen vor einer schweren globalen Krise, an Märkten, die den höchsten Stand erreicht hatten und nun zu fallen beginnen und auch auf die neue Ernte warten.“

Für manche Analysten sind die Weizenpreise auch gefallen, weil Russland seine Ernteprognose auf etwa 89,2 Millionen Tonnen erhöht hat, was ein neuer Rekord wäre. Das ist jedoch eine Schätzung, die etwa die Analysten von Agritel als „sehr optimistisch“ einstuften.

Fakt ist aber auch: Der jüngste Preisverfall hat viele Importeure motiviert, wieder ins Geschäft zu kommen. Algerien hat in einer Ausschreibung 600.000 Mahlweizen für August gekauft. Tunesien startete eine Ausschreibung für 75.000 Tonnen Weizen und 50.000 Tonnen Gerste, die von Juli bis August verladen werden sollen.

Aus der Ukraine werden derzeit zwischen 1,5 und 1,7 Millionen Tonnen Getreide (alle Getreidearten zusammen) monatlich auf der Straße und der Schiene exportiert. Das sind immer noch 5 bis 6 Mal weniger als vor Kriegsausbruch über die Schwarzmeer-Häfen verkauft wurden.

Die meisten Analysten erwarten jedoch, dass die Getreide-Märkte in den kommenden Wochen extrem volatil bleiben werden. Vor allem die Wetterbedingungen auch in Europa werden sehr kritisch beobachtet, insbesondere während der entscheidenden Maisblütezeit im Juli“, sagte das Beratungsunternehmen Agritel.

Niederlande: Neue Notierung für Mastschweine

Holländische Landwirte und der Schachthof Gosschalk haben eine Vermarktungsgenossenschaft gegründet. Die Landwirte erhalten deutliche Zuschläge.

In den Niederlanden haben die Landwirte-Aktionsgruppe „Farmers Defence Force“ (FDF) und der Schlachthof Gosschalk im Rahmen des neuen Vermarktungslabels „Farmer-Friendly-Schweinefleisch“ einen Vertrag über den Absatz von Schlachtschweinen unterzeichnet. Es handelt sich dabei um Tiere, die nach dem gesetzlichen Standard produziert wurden. Der Vertrag, der einen „ehrlichen“ Auszahlungspreis wiederspiegeln soll, garantiert den teilnehmenden Landwirten einen Aufschlag von 15 bis 16 Cent pro kg Schlachtgewicht auf Basis der Van Rooi Meat-Notierung und sichert zu, dass der Preis mindestens immer der Beter-Leven-Notierung, dem holländischen Tierwohl-Labelprogramm, entspricht. Hier erhalten die teilnehmenden Landwirte je nach Vermarktungsweg unterschiedliche Boni.

Nach Aussage von Roy Nillesen, Vorsitzender des FDF-Schweineteams, erzielen die teilnehmenden Schweinehalter durch die Vereinbarung künftig Auszahlungspreise, die über dem niederländischen Notierungsschnitt liegen. Neben der jetzt neu eingeführten Notierung gibt es im Nachbarland noch Schlachtschweinenotierungen unter anderem von Vion, Compaxo, Westfort sowie den DCA-Beursprijs, die sich teil erheblich voneinander unterscheiden. Der Grund ist, dass die Vermarkter in den Niederlanden in der Regel individuelle Grundpreise festlegen, die dann mit zum Teil deutlichen Zuschlägen aufgewertet werden.

Für das Projekt hatten FDF und Gosschalk zuvor eine neue Genossenschaft gegründet, an der beide Seiten zu je 50 % beteiligt sind. Die Mitglieder der FDF liefern ihre Schweine künftig über die Genossenschaft an die noch zu gründende Schlachthof-Gesellschaft, die dann den Verkauf des Fleisches in die Hand nimmt. Ein Zielmarkt für Ohren, Pfötchen usw. soll China sein. Der Schlachthof Gosschalk besitzt eine Exportlizenz für das asiatische Land und schlachtet rund 10.000 Schweine pro Woche. Offen bleibt, wann die Vermarktung startet und wie nachhaltig das Projekt ist. In Deutschland jedenfalls ist es bislang nicht gelungen, dauerhaft höhere Preise in der Vermarktung von konventionell gehaltenen Schweinen durchzusetzen.

Die Gewinne aus der Vermarktung werden zu je 50 % an die Mitgliedsbetriebe der FDF und Gosschalk ausgeschüttet. Der FDF-Anteil wird dann zu gleichen Teilen an die teilnehmenden Betriebe ausgeschüttet. Sauenhalter, die Ferkel an teilnehmende Mäster liefern, erhalten aus dem Topf eine Gewinnbeteiligung von 10 %. Mit diesem Bonus will man die Belieferung der Mäster mit Ferkeln sicherstellen.

Um die Genossenschaft mit Kapital auszustatten, investieren Schweinemäster zu Beginn als Einlage zwischen 0,50 und 1,50 € je geliefertem Mastschwein und Jahr, Sauenhalter 1,50 bis 2 € je Sau und Jahr. Der Schlachthof Gosschalk investiert den gleichen Betrag. Sobald die Organisation wirtschaftlich stabil läuft, erhalten die Mitglieder ihre Einlagen zurück. „In unserem neuen Vermarktungskonzept setzen wir noch stärker als bisher auf die enge Zusammenarbeit in der Kette nach dem Motto: Einer für alle, alle für einen“, betont Roy Nillesen. Er ist sich zudem sicher, dass die Zeit für neue Geschäftsmodelle jetzt günstig ist, weil sich der Schlachtschweinemarkt künftig mehr und mehr zum Verkäufermarkt entwickeln wird. Marcus Arden

Na, endlich Schweinepreis erholt sich

Laut Österreichischer Schweinebörse musste abermals feiertagsbedingt das Volumen
eines Schlachttages in die nächste Woche mitgeschleppt werden. Dennoch sollten Über-
hänge vorerst kein Thema mehr sein. Einerseits profitierte der Fleischmarkt vom gut an-
gelaufenen Grillgeschäft, andererseits war das frische Angebot an Schlachtschweinen
alles andere als drückend. Gemeinsam mit dem Rest der Vorwoche entsprach es dem
Bedarf der Schlachthöfe. Die Mastschweine-Notierung steigt ab dem 23. Juni um 3 Cent.

Auf dem österreichischen Ferkelmarkt wurde das ohnehin schwierige Absatzgeschehen
durch die Feiertage in den letzten Wochen zusätzlich beeinträchtigt. Weitere Ferkelrück-
stellungen waren unumgänglich.

Europaweit herrschten mehrheitlich ausgeglichene Verhältnisse. In einigen Ländern nahm
die Nachfrage zu. Die Anhebungen der niederländischen und der spanischen Notierung
blieben allerdings Ausnahmen, zumeist tendierten die Preise unverändert.

Der EU-Schweinemarkt setzte die Aufwärtsentwicklung fort. Verantwortlich dafür war
neben dem rückläufigen Angebot zunehmend auch eine Belebung der Nachfrage. Das
Sommerwetter verlangsamte nicht nur das Wachstum der Schweine, es begünstigte auch
Grillaktivitäten. Insgesamt blieb der Fleischhandel aber noch unter den Erwartungen.
Spanien und die Niederlande berichteten von steigenden Exporten. Die Mastschweine-
Notierungen legten in vielen Mitgliedsländern zu.
In Deutschland nimmt das Schweineangebot weiter ab, es lässt sich problemlos absetzen.
Auf dem Fleischmarkt werden vor allem Grillartikel gut nachgefragt. Das Interesse ist aber
deutlich geringer als vor der Pandemie zu dieser Jahreszeit. Daher stieß die seit Wochen-
beginn absehbare Preiserhöhung auf Widerstand in der Schlachtbranche. Dennoch steigt
der Vereinigungspreis für Schlachtschweine um 5 Cent.


Größter Aderlass in der Geschichte der Schweinehaltung befürchtet

Weil durch die Kriegswirren in der Ukraine die Futter- und Energiekosten um bis zu 100 Prozent gestiegen sind, bräuchten die Schweinebauern einen Notierungspreis von 2,25 Euro, momentan liegt dieser 40 Cent darunter.

„Wenn wir in den nächsten Wochen die Vollkostendeckung nicht erreichen, befürchte ich den größten Aderlass in der Geschichte der heimischen Schweinehaltung. Neben der wirtschaftlichen Misere, die sich abzeichnet, sind es die politischen Rahmenbedingungen, die zu umfangreicher Stilllegung der Produktion führen werden“, erklärt Johann Schlederer, Geschäftsführer des Verbandes landwirtschaftlicher Veredelungsproduzenten OÖ, VLV.

Neben den hohen Futterkosten und den niedrigen Preisen, sind vor allem das immer wieder von NGO’s und Tierrechtsaktivisten geforderte Vollspalten-Verbot und Ringelschwanz-Gebot, Reizwörter in der Branche. „Internationale Mitbewerber am Binnenmarkt reiben sich schon die Hände, wenn bei uns Schweinebauern das Handtuch werfen“, meint Schlederer.

Daher fordert der VLV als größte Schweineerzeugergemeinschaft Österreichs die Herkunftskennzeichnung, und zwar für alle Sektoren und Sortimente inklusive Gastronomie. Die Schweinehaltung macht in Oberösterreich ein Viertel der agrarischen Wertschöpfung aus. Oberösterreich ist damit Schweineland Nummer eins mit einem Marktanteil von knapp 40 Prozent in Österreich. Das heißt, die volkswirtschaftliche Bedeutung der Schweinebranche geht weit über den agrarischen Bereich hinaus.

„Die kritische öffentliche Diskussion belastet die Stimmung unserer Schweinebauern, weil sie sich 365 Tage im Jahr um ihre Tiere kümmern und nicht als Tierquäler gesehen werden wollen“, sagt Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich. Viele Landwirte seien auch durchaus bereit, Umstellungen in Richtung von Haltungssystemen mit Stroh-Einstreu, mehr Platzangebot und teils mit Auslauf ins Freie vorzunehmen, aber diese Umstellung brauche Zeit und ist mit beträchtlichen Kosten verbunden.

Im laufenden Betrieb entstünden höhere Kosten für die Strohbergung vom Feld, die Einlagerung oder die Mistausbringung. „Das bedeutet mehr Arbeitsaufwand für die Betreuung der Tiere. Daher kann es Schweinefleisch aus Tierwohlställen nicht zum gleichen Preis geben wie aus konventionellen Ställen“, sagt Waldenberger.

Ein wichtiger Part fällt in diesem Zusammenhang dem Handel zu. Die Handelsketten sind in der Vermarktung das Bindeglied zum Konsumenten. Es braucht daher die Bereitschaft des Handels, Schweinefleisch aus besonders tierfreundlicher Haltung entsprechend zu bewerben und dem Konsumenten in allen Filialen anzubieten. Denn in dem Ausmaß, wie der Absatz gegeben ist, können Betriebe auf Tierwohl-Ställe umstellen.

Das von manchen Tierschutz-NGOs geforderte Verbot bisheriger Haltungssysteme wird von der Landwirtschaftskammer strikt abgelehnt. Österreich ist in einem gemeinsamen Markt mit 26 anderen EU-Staaten, in denen ein gesetzlicher Zwang zu Strohhaltungssystemen absolut kein Thema ist.

„Käme ein solcher Zwang ausschließlich in Österreich, würden wir mit billigerem, importiertem Fleisch aus konventionellen Haltungsformen überflutet, insbesondere im Bereich der Fleischwarenindustrie. Das wäre der Todesstoß für die österreichische Schweinehaltung, und das kann nicht im Interesse der Konsumenten sein. Ein Verbot der Vollspaltenböden im Stall kann nur mit einem Verbot von Fleisch aus dieser Haltungsform im Regal Hand in Hand gehen. Letztendlich entscheiden die Markt- und Absatzmöglichkeiten über den weiteren Ausbau von Tierwohlprogrammen“, ist Waldenberger überzeugt.

Der Verband Österreichischer Schweinebauern hat gemeinsam mit der AMA einen Masterplan Schweinehaltung entwickelt. Damit wird eine Kategorisierung der verschiedenen Haltungsformen vorgenommen. Es gibt also nun beim AMA Gütesiegel drei Ebenen: AMA Gütesiegel-Basis und die beiden Tierwohlmodule Tierwohl 60 (60% mehr Platz) und Tierwohl 100 (100% mehr Platz). Diese Dreiteilung ist genau definiert und transparent unterscheidbar. Darüber gibt es noch Bio-Haltung, darunter konventionelle Schweinehaltung auf gesetzlichem Niveau.

„Für mich ist dieses Konzept der Einstieg in die Haltungskennzeichnung in Österreich. Man beachte den Unterschied zwischen Herkunftskennzeichnung und Haltungskennzeichnung. Es ist der ernsthafte Plan des Verbandes der Österreichischen Schweinebauern, dass in zehn Jahren ein Viertel der heimischen Schweine aus TW 60-, TW 100- und BIO- Programmen kommt. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen glaube ich an diesen Fahrplan. Die demnächst startende Info-Kampagne der AMA-Marketing soll Klarheit in der Bevölkerung schaffen, und speziell den kritischen Verbrauchern einen sicheren Wegweiser zum gezielten Tierwohl-Einkauf schaffen“, sagt Schlederer. 

Größter US-Schweinefleischproduzent zieht sich aus Kalifornien zurück

Anfang 2023 will der US-Schweinefleischproduzent Smithfield die Produktion im kalifornischen Vernon aufgeben. Eskalierende Kosten für die Geschäftstätigkeiten seien die Gründe für die Werksschließung.

Der größte Schweinefleischproduzent in den USA, die zur chinesischen WH-Gruppe gehörende Smithfield Foods, wird seine Schweinefleischerzeugung im kalifornischen Vernon aufgeben und im Westen des Landes auch Schweinebestände abbauen. Wie das Unternehmen mitteilte, soll die Produktion in Vernon Anfang 2023 eingestellt werden.

Zudem werde der Sauenbestand in Utah verringert und die Aufgabe von Betrieben in Arizona und Kalifornien geprüft. Als Grund für die Schließung des Werkes vor den Toren von Los Angeles nannte das Unternehmen „die eskalierenden Kosten für die Geschäftstätigkeit“ in Kalifornien. Es gebe dort höhere Steuern, Arbeitskosten und viel Bürokratie im Vergleich zu anderen Standorten. Marktanalysen berichteten, dass die Produktionskosten von Schweinefleisch dort im Schnitt 3,5 Mal höher seien als in den anderen US-Fabriken, die Smithfield betreibe.

Kalifornien machte auch mit einem Gesetz namens „Proposition 12“ von sich reden, das strengere Haltungsvorschriften für Schweine, Geflügel und Kälber vorschreibt, die auch von den in den Bundesstaat eingeführten Produkten erfüllt werden müssen. Das umstrittene Gesetz wird derzeit vor dem Obersten Gerichtshof der USA verhandelt, um zu prüfen, ob nicht-kalifornischen Schweinefleischerzeugern, deren Produkte dort verkauft werden, Haltungsvorschriften vorgeschrieben werden können.

Für die laut Medien rund 1.800 Beschäftigten in dem Werk in Vernon hat Smithfield nach eigenen Angaben Übergangshilfen einschließlich Umzugsoptionen in andere Unternehmenseinrichtungen angeboten. Darüber sei eine Einigung mit den Gewerkschaften erzielt worden. Smithfield zählt in den USA insgesamt mehr als 40.000 Mitarbeiter und betreibt 46 Fleischwerke sowie 500 Farmen.

Agra Europe (AgE)

Phosphor fürs Feld aus Wiener Klärschlammasche

Die MA 48 und die Wien Energie arbeiten daran, den im Wiener Klärschlamm vorhandenen Phosphor als Düngemittel zurückzugewinnen und den Stoffkreislauf damit zu schließen.

Phosphor ist ein essentieller Nährstoff für Pflanzen, Tiere und Menschen und ist daher ein Hauptbestandteil vieler Düngemittel. Über den Konsum von Nahrungsmitteln kommt Phosphor in die Kläranlage, wo er nach der energetischen Verwertung des Klärschlamms in die Klärschlammasche gelangt und mit dieser derzeit noch ungenutzt abgelagert wird.

Geht es nach der MA48 und Wien Energie soll dieses Phosphor zurückgewonnen werden und wieder als Düngemittel in den Stoffkreislauf gelangen. In Österreichs Kläranlagen fallen jährlich etwa 7.800 Tonnen Phosphor an. Klärschlamm wird derzeit in Österreich nach der energetischen Verwertung in Form von Klärschlammasche deponiert bzw. teilweise direkt oder nach einer Kompostierung auf die Felder aufgebracht. Dabei wird der Phosphor zwar genutzt, aber es werden auch die enthaltenen organischen Schadstoffe und Mikroplastik auf die Felder verteilt. Bei der künftigen Wiener Lösung soll dies nicht der Fall sein.

Gemeinsam mit der Wien Energie und der Borealis Agrolinz Melamine GmbH ist die Stadt eine Entwicklungspartnerschaft eingegangen. Rund 1.500 Tonnen Phosphor sollen pro Jahr zurückgewonnen werden. „Dieses Projekt ist ein gutes Beispiel dafür, wie innovative Lösungen ausschauen, die im Sinne der Kreislaufwirtschaft auch zum Klimaschutz beitragen“, sagt Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky. Voraussichtlich kann noch in diesem Jahr mit Nutzung des aus Klärschlamm rückgewonnenen Phosphors in der Düngemittelproduktion im großen Stil begonnen werden.

Österreichweit werden jährlich rund 12.500 Tonnen Phosphor als Mineraldünger in der Landwirtschaft ausgebracht. Rohphosphat, der Ausgangsstoff für Düngemittel, gibt es nur in wenigen Ländern (z.B. zum Teil in politisch sehr instabilen Regionen wie Marokko, Russland, China, Brasilien), weshalb unsere Nahrungsmittelversorgung zu einem wesentlichen Teil von diesen Ländern abhängt.

Von 20.6-22.6. 2022 findet in Wien die europäische Phosphor-Nachhaltigkeitskonferenz statt. Bei der Konferenz werden Experten aus Kommunen, der Düngemittel- und Phosphorindustrie sowie von der EU und Forschungseinrichtungen vor rund 400 Teilnehmern Vorträge halten.

110 Millionen Euro Paket: Betriebe bekommen Hilfen Ende des Jahres

Alle Bäuerinnen und Bauern, die einen Mehrfachantrag für 2022 gestellt haben, bekommen diese Unterstützung automatisch Ende des Jahres über die AMA ausbezahlt. 80 Millionen für Ackerbaubetriebe und 30 Millionen Euro für Viehhalter.

Am Freitag präsentierte Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig die Details zum Versorgungssicherheitspaket für die Bauern. Wie berichtet, soll das 110 Millionen Euro Unterstützungspaket die hohen Betriebsmittelkosten für Energie, Dünger und Futtermittel ein wenig kompensieren.

„Die Lebensmittelversorgungssicherheit der Österreicherinnen und Österreicher hat für mich
oberste Priorität! Das geht nur mit unseren Bäuerinnen und Bauern. Denn sie sind es, die
täglich das Essen auf unsere Teller bringen – auch in Krisenzeiten“, sagt Totschnig. Alle Bauern die einen Mehrfachantrag 2022 gestellt haben, erhalten – auf Basis der beantragten beihilfefähigen Flächen und Großvieheinheiten einen Versorgungsicherungsbetrag. “ So entlasten wir die heimische Landwirtschaft, federn die Teuerung ab und stärken die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe im europäischen und internationalen Umfeld“, meint der Minister.

Die Hilfen für die Bauern im Detail

Versorgungssicherungsbeitrag bemisst sich aus einer flächenbezogenen und einer tierbezogenen Komponente. Der tierbezogene Beitrag bemisst sich auf 14 Euro je Großvieheinheit.

Der flächenbezogene Beitrag variiert je nach Nutzung:

  • 29,3 Euro pro Hektar Ackerfläche
  • Zuschlag von 22,6 Euro pro Hektar Hackfrüchte, Feldgemüse,
  • Gemüse im Freiland, Gartenbaukulturen, Blumen und Zierpflanzen im Freiland, Erdbeeren Zuschlag von 16,8 Euro pro Hektar Feldfutterbau
  • 82,5 Euro pro Hektar Dauerkulturen (z.B. Obst, Wein)
  • 38,6 Euro pro Hektar Mähwiese, -weide mit mind. 2 Nutzungen
  • 16,2 Euro pro Hektar einmähdige Wiesen und Kulturweiden
  • 5,1 Euro pro Hektar Almen, Bergmähder Hutweiden, Streuwiesen, Grünlandbrache

Rund 1.000 Euro pro Betrieb

Das Ministerium rechnet mit einem durchschnittlichen Versorgungssicherheitsbeitrag je Betrieb von rund 1.000 Euro. Ein Ackerbaubetrieb mit 40 ha Ackerfläche und Zuschlag für 5 ha Hackfrüchte erhält ca. 1.285 Euro. Ein Milchviehbetrieb mit 35 ha mehrmähdiger Wiese und 30 Großvieheinheiten Milchkühe erhält 1.771 Euro. Die abwickelnde Stelle ist die AMA, mit den Zahlen des Mehrfachantrags, werden auch die Hilfsgelder ausbezahlt. Zusätzlich ist eine eigene Unterstützungsmaßnahme im Ausmaß von neun Millionen Euro für die von den Energiekostensteigerungen besonders betroffenen Betriebe im Geschützten Anbau (Glashäuser) in Vorbereitung und soll demnächst präsentiert werden.

Landwirtschaftskammer sieht wichtige Zukunftsinvestition

„Das nun vorgelegte Versorgungssicherungspaket unterstützt die bäuerlichen Betriebe, die enormen Kostensteigerungen tragen zu können und sie vor überhasteten und verzweifelten Betriebsentscheidungen zu bewahren“, erklärt LKÖ-Präsident Josef Moosbrugger.

Die Kosten für eine Reihe an Betriebsmitteln haben sich seit Herbst 2021 verdreifacht. Auf allen Ebenen kämpfte der Bauernbund für eine treffsichere Abfederung, denn: „Wer die Teuerung verschläft, wacht hungrig auf. Eine Entlastung der Landwirtschaft ist Grundstein eines Österreichs, das sich auch morgen selbst versorgen kann“, erklärt Bauernbund-Präsident Georg Strasser.

So soll also die großartige Hilfe aussehen. Aber nur wenn sich alles so weiterentwickelt wie bisher können wir Landwirte und auch viele andere sicher nicht mehr lange finanziell überleben

Nicht Kühe-Satellit misst Rekord bei Methan-Ausstoß aus russischer Mine

90 Tonnen des Treibhausgases wurden in einer Stunde in die Atmosphäre ausgestoßen: Experten beschreiben es als das womöglich größte Methanleck, das je beobachtet wurde. Das klimaschädliche Gas kommt aus einer Kohlemine in Russland.

Eine Kohlemine in Sibirien hat nach Auswertung einer privaten Satellitenfirma eine riesige Menge des klimaschädlichen Treibhausgases Methan in die Atmosphäre freigesetzt. Demnach wurden im vergangenen Januar 90 Tonnen des Gases binnen einer Stunde ausgestoßen. Methan ist neben Kohlendioxid einer der größten Verursacher des Klimawandels.

Das Leck entstand bei der Raspadskaya-Mine im Oblast Kemerowo, der größten Kohlemine Russlands. Laut der Satellitenfirma GHGSat sei es etwa 50 Prozent größer als jedes andere Leck, das die Firma seit Beginn ihrer globalen Satellitenüberwachung im Jahr 2016 gesehen hat. „Das war ein wirklich dramatischer Ausstoß“, sagte Brody Wight, ein Experte bei GHGSat. In den vergangenen Jahren wurden mehrere private und staatliche Satelliten in die Erdumlaufbahn gebracht, um Methanlecks aufzuspüren.

Auch der Leiter der Internationalen Beobachtungsstelle für Methanemissionen beim Umweltprogramm der Vereinten Nationen, Manfredi Caltagirone, sagte, ihm sei keine größere Freisetzung von Methan aus einem Kohlebergwerk bekannt.

Die Methanmengen wurden offenbar absichtlich freigesetzt. Denn das Element hat explosive Eigenschaften: Unter Tage kann sich das Gas entzünden und die Sicherheit der Bergarbeiter gefährden. Erst 2010 kamen bei zwei Methanexplosionen und einem Brand 91 Menschen in der Mine ums Leben. Allerdings gibt es den Experten zufolge auch klimafreundlichere Wege für Minen, sich dem Gas zu entledigen. Das Gas kann etwa aufgefangen und als Brennstoff genutzt werden.

Russlands Industrie gilt als eine der weltweit größten Quellen von Methan aus der Förderung fossiler Brennstoffe.

Holzpreise im freien Fall: Weltmarkt stürzt weiter ab

Die Holzpreise am Weltmarkt haben sich in nur drei Monaten halbiert. Und der Absturz geht weiter. Allein in den ersten beiden Juni-Wochen rauschte der wichtigste globale Indikatorpreis (Lumber) um reichlich 20 Prozent auf 556 USD je 1000 pro 1.000 board feet nach unten.

Die schlechte Nachricht für Holzverkäufer ist: Bislang ist keine Bodenbildung bei den globalen Holzpreisen zu erkennen. Zwar wirkt sich der Verfall der Terminmarkpreise nicht unmittelbar auf die Holzpreise in Europa aus.

Über den scharfen Rückgang der möglichen Exportpreise sind jedoch spürbare Folgen am europäischen Markt zu erwarten. Vor allem auch weil deutsche und europäische Exporteure bis vor kurzem in erheblichem Umfang von den hohen Preisen an einem der zuletzt wichtigsten Exportmärkte profitieren.

Nun müssen sie die möglichen Erlöse und damit auch ihre Einkaufspreise vor dem Hintergrund dieser Entwicklung neu kalkulieren. Am vorigen Freitag (10.06.) notierte der Holzpreis (Lumber) an der amerikanischen Terminbörse CME jedenfalls nur noch bei 556 USD je 1000 board feed. Das waren nochmals 156 USD bzw. gut 20 % weniger als vor zwei Wochen und mehr als 55 % weniger wie zur letzten Preisspitze von reichlich 1200 USD im März.

Offenbar sinken die Kurse, weil Verkäufer und Käufer beobachten, dass die Produktion und das Angebot wieder zunehmen, sagen US-Analysten. Eine monatliche Umfrage unter Baustoffhändlern in den USA ergab, dass nur noch 12 % im April knappe Bauholzbestände hatten, 61 % weniger als im Vorjahr. Analysten sagen auch, dass die hohen Preise und steigende Immobilienzinsen dazu beigetragen haben, die Engpässe der letzten Monate zu beheben.

„Der größte Faktor war, dass die Preise gestiegen sind, weil sie es konnten“, sagt der US-Immobilien-Manger Tim Morris, gegenüber den Online-Portal Real Estate. Es gab einfach mehr Nachfrage als Angebot“, sagt Morris. Nun hat sich die Marktlage aber offenbar grundlegend geändert, sagt jedenfalls die Preisentwicklung am Terminmarkt.

Zumindest in den USA spielen die am Terminmarkt gehandelten Preise für die physischen Markt eine entscheidende Rolle. „Das Schnittholz, das in den nächsten Monaten produziert werden soll, ist bereits mit einem Terminkontrakt an jemanden verkauft“, sagt ein Analyst.

Hausbauer erfahren die Holzpreise in der Regel von ihrem Bauunternehmer, der die Informationen von einem Holzhändler oder Sägewerk erhält. Dieser legt einen Preis für eine bestimmte Menge Holz auf der Grundlage der Kursentwicklung am Terminmarkt fest. So kommen die Terminmarktpreise schließlich auch am physischen Holzmarkt an.

Bauunternehmer beklagen jedoch die große Preisunsicherheit. „Unsere Kunden müssen eine genaue Vorstellung davon haben, wie hoch ihre Kosten sein werden, damit sie sehen können, ob ein Projekt sinnvoll ist“ heißt es weiter. Bei stark schwankenden Preisen ist das für alle Beteiligten eine Gratwanderung.

Auf der Einzelhandelsseite haben Händler und Analysten einen Einbruch der Nachfrage nach Bauholz beobachtet, da die Verbraucher von Heimwerkerprojekten weggehen und mehr Geld für andere Dinge – wie Lebensmittel, Treibstoff und Energie – ausgeben müssen.

Die Zentralbanken in den USA und in Europa werden diesen Trend im Sommer mit Zinserhöhungen verstärken, was die Holzpreise noch weiter nach unten drücken könnte. Derzeit versucht der Markt herauszufinden, wo das neue Preisgleichgewicht bei einer nachlassenden Nachfrage und einem steigenden Angebot ist“, sagte der Holzgroßhändler Josh Goodman, von Sherwood Lumber.

Entschieden ist das jedenfalls noch nicht. Am Terminmarkt zeigen die Kurse für die kommenden Monate wieder leicht nach oben. Bis Januar 2023 erreichen die Preise danach wieder ein Niveau von 610 USD je 1000 board feed. Das wäre ein Plus von knapp 10 %.

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Auch in Frankreich geht es bergab -Jeder zehnte Schweinehalter vor der Aufgabe

Jeder zehnte der noch insgesamt rund 10 000 Betriebe mit Schweinehaltung in Frankreich wird diese in den nächsten Monaten aufgeben. Davon geht die Interprofession für Schweinefleisch (Inaporc) aus.

Der Anteil von Schweinehaltern die aufhören, könne  höher als 10000 Betriebe ausfallen. Inaporc mahnte vor diesem Hintergrund am vergangene Woche eine deutliche Anhebung der Schlachtschweine- und Ferkelpreise an. Diese sei «unerlässlich», denn der Schweinesektor befinde sich «in einer beispiellosen Krise».

n den vergangenen zwölf Monaten sei nicht ein einziges Mal die Rentabilitätsschwelle erreicht worden. Inaporc wies darauf hin, dass seit Jahresbeginn die Kosten für Futtermittel um 25 % angezogen hätten, während die Erzeugerpreise «nur sehr langsam» gestiegen seien.

Bereits seit einem Jahr sei die Differenz zwischen den Ausgaben für Futtermittel und den Erlösen negativ. Während der Erzeugerpreis für Schweinefleisch seit Mitte April bei 1,88 CHF/kg liege, seien die Produktionskosten auf mehr als 2,04 CHF/kg gestiegen. Zwar solle den Erzeugerinnen im Rahmen des Resilienzplans Unterstützung gewährt werden, die einen Teil der im ersten Halbjahr 2022 erlittenen Verluste ausgleichen solle, jedoch verdüstere sich die Lage immer weiter, stellte Inaporc fest.

Der Krieg in der Ukraine habe den Anstieg der Futtermittelkosten beschleunigt und die Fälle der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland und Italien hätten dazu geführt, dass die Schweinepreise in Europa aufgrund der durch den Exportstopp entstandenen Lagerbestände stagnierten oder sogar rückläufig seien. Notwendig ist laut der Interprofession aber vielmehr ein rascher Anstieg der Erzeugerpreise. Dabei gehe es auch um die Zukunft zahlreicher Unternehmen im nachgelagerten Bereich, gab Inaporc zu bedenken. Laut ihren Angaben arbeiten in der gesamten französischen Schweinebranche rund 130 000 Menschen.

Das Ende von Schweinebauern – Weltweit immer mehr „Mega-Sauenhalter“

Laut einer Datenerhebung des Zuchtunternehmens Genesus gibt es weltweit 42 Großunternehmen mit jeweils mehr als 100.000 Sauen.

Die Zahl der weltweiten „Mega-Sauenhalter“ mit 100.000 oder mehr Sauen im Stall ist im vergangenen Jahr weiter gewachsen. Wie aus der jährlichen Erhebung des global agierenden Zuchtunternehmens Genesus hervorgeht, gab es 42 solcher Großunternehmen, die zusammen rund 16,07 Mio. Sauen hielten. Ein Jahr zuvor waren es 38 Mega-Halter mit 15,96 Mio. Tieren gewesen. Der Zuwachs im Sauenbestand fiel mit 112.360 Tieren oder 0,7 % im Vorjahresvergleich nicht besonders groß aus, weil mehrere chinesische Unternehmen 2021 wegen der niedrigen Preise und wirtschaftlichen Verlusten Stückzahlen abgebaut haben.

Als weltweit größter Player wurde erneut die chinesische Muyuan Foodstuff Company mit 2,83 Mio. Sauen genannt; das waren 207.000 mehr als 2020. Auf den zweiten Platz schob sich das US-Unternehmen Smithfield mit 1,17 Mio. Sauen vor, das aber der chinesischen WH-Group gehört. Die vormals zweitplatzierte Wens Group aus China rutschte mit einem Minus von 700.000 auf 1,10 Mio. Stück auf den vierten Rang ab.

Für die Unternehmen Zhengbang und New Hope aus der Volksrepublik wurden ebenfalls deutliche Rückgänge im Sauenbestand von jeweils etwa 200.000 Tieren gemeldet. Insgesamt dominierten die Unternehmen aus China jedoch die Rangliste und waren insgesamt 19 Mal in den Top 42 vertreten, darunter vier Neuzugänge, für die erstmals ein Bestand von mehr als 100.000 Sauen erfasst wurde. Zusammen brachte es die Volksrepublik 2021 auf rund 10,8 Mio. Sauen in Großunternehmen, was einem Zuwachs von fast 950.000 Tieren entsprach.

Dahinter folgten die USA mit unverändert elf Mega-Unternehmen, die zusammen 3,60 Mio. weibliche Zuchtschweine ihr Eigen nannten; das lag laut Genesus in etwa auf dem Vorjahresniveau. Weitere vier Großbetriebe mit zusammen etwa 990.000 Sauen stammten aus Brasilien, wobei deren Gesamtbestand um rund 10 % wuchs.

Wenig vertreten waren dagegen Unternehmen aus der Europäischen Union in Ranking. Der größte Sauenhalter in der Gemeinschaft war die spanische Vall Company mit 210.000 Sauen, was Rang 22 bedeutete. Zudem waren noch die französische Genossenschaft Evel´up auf Platz 26 mit 171.000 Tieren und die spanische Costa Food Group auf Rang 30 mit 150.000 Sauen gelistet. Zwei große Sauenhalter gab es zudem noch in Russland sowie jeweils ein Unternehmen in Kanada, Chile und Thailand. Agra Europe (AgE)

Entlastungspaket für die Landwirtschaft soll diese Woche präsentiert werden

Hilfen vom Bund kommen schon jetzt Bauern zugute. Laut Informationen soll diese Woche noch eine Unterstützung für Landwirte nach Flächen und Viehbestand präsentiert werden.

Die Bundesregierung präsentierte am Dienstag Maßnahmen gegen die Teuerung. Das Paket enthält insgesamt 28 Mrd. Euro, die bis 2026 aufgewendet werden. Ziel ist es, den Menschen Geld zurückzugeben, das durch die hohe Inflation fehlt. Mit den Entlastungsmaßnahmen werden auch die bäuerlichen Familienbetriebe und der ländliche Raum unterstützt, teilt das Landwirtschaftsministerium mit. Ende der Woche sollen dann noch Maßnahmen für die Versorgungssicherheit präsentiert werden.

Hohe Kosten für Betriebsmittel bringen die landwirtschaftlichen Betriebe zunehmend unter Druck. „Darum schnüren wir ein zusätzliches weitreichendes Paket, um die Liquidität unserer Betriebe zu stärken, damit sie weiter produzieren und die Bevölkerung mit regionalen Lebensmitteln versorgen können. Diese Versorgungssicherungs-Maßnahmen stellen wir noch diese Woche vor“, sagt Totschnig.

Hektar und Großvieheinheiten basierte Zahlung für Betriebe

Aus informierten Kreisen ist zu hören, dass es bei diesem Hilfspaket für die Bauern, eine auf Hektar und Großvieheinheiten gestaffelte Einmalzahlung geben wird. Ziel ist es die Teuerung, bei Dünger, Futter und Diesel auszugleichen, heißt es. Welches Ausmaß der Fördertopf haben wird, ist noch nicht bekannt.

Klar ist, dass heuer noch fünf Milliarden Euro vom allgemeinen Teuerungs-Paket auch den Bauern zugute kommen. Dazu gehören 500 Euro für jede und jeden – „mit 250 Euro Klimabonus und 250 Euro Bonus für alle Erwachsenen. 180 Euro als zusätzliche Einmalzahlung der Familienbeihilfe im August, wie auch das Vorziehen des auf 2.000 Euro erhöhten Familienbonus und die Erhöhung des Kindermehrbetrags sind für unsere bäuerlichen Familienbetriebe eine wichtige Unterstützung. Für Mindestpensionisten sind 300 Euro vorgesehen. Mit der Abschaffung der Kalten Progression setzt Finanzminister Magnus Brunner einen weiteren Meilenstein, um die Menschen zu entlasten“, erläutert Totschnig.

Viel weniger Weizen in der Ukraine?

Die Ukrainische Weizenernte soll jüngsten Schätzungen zufolge um über 40 % gegenüber dem Vorjahr zurückgehen.

Nach jüngsten Angaben des Verbandes Ukrainian Grain Association (UGA) dürfte die ukraninische Weizenernte 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 42 % auf 19,2 Mio. t zurückgehen. Zur Einordnung: Vergangenes Jahr war die Rekordmenge von 33 Mio. t eingefahren worden. Die aktuelle Prognose wurde gegenüber dem Vormonat um 1 Mio. t angehoben. Gleichzeitig wurde die Endbestandsschätzung erhöht. Angesichts erheblicher Exporteinschränkungen infolge geschlossener Häfen und laufender Kriegshandlungen werden die Weizenendbestände der Ukraine am Stichtag 30.06.2022 bei 10 Mio. t und für Getreide sogar bei bis zu 43 Mio. t gesehen. Zum Vergleich – vor einem Jahr lagerten laut US-Landwirtschaftsministerium (USDA) 1,5 Mio. t Weizen in der Ukraine und damit lediglich ein Bruchteil des aktuell avisierten Volumens.

Auch die ukrainische Maiserzeugung der kommenden Saison dürfte das Vorjahresergebnis deutlich verfehlen. So dürften nach jüngsten Angaben des Verbandes 26,1 Mio. t zusammenkommen und damit 11,5 Mio. t weniger als 2021. Auch hier wurde die Prognose des Vormonats von 23,1 Mio. t nach oben korrigiert. Die Maisexporte im Wirtschaftsjahr 2022/23 werden bei 15 Mio. t gesehen.

Insgesamt könnte die Ukraine im kommenden Wirtschaftsjahr 30 Mio. t Getreide ausführen, sofern die Durchsatzkapazität an den Grenzübergängen verdoppelt werden kann, so der Verband. Derzeit kann das Land über Alternativrouten zu den Häfen, wie beispielsweise über den Schienenverkehr, nur 1,5 Mio. t pro Monat exportieren. AMI

GAP-Reform

Die GAP ab 2023 fordert höhere Umweltleistungen und mehr Tierwohl für den Erhalt von öffentlichen Geldern.

Eines ist sicher: Es wird Gewinner und Verlierer im Zuge der neuen GAP geben. Beim Ackerbau dürften aber die Verlierer in der Überzahl sein, da trotz steigender Prämien im Agrarumweltprogramm die Reduktion der Direktzahlung meist nicht ausgeglichen werden kann – wenngleich doch auch attraktive Möglichkeiten für erhöhte Zahlungen, wie z. B. zusätzliche Biodiversitätsflächen oder Zuschläge, für förderfähige Kulturen bestehen.

Für diese Betriebe haben wir gerechnet

Unter den fünf Betrieben befinden sich drei Marktfruchtbetriebe, darunter zwei in NÖ sowie einer in Oberösterreich in der Traun-Enns-Platte. Ein Betrieb in der Steiermark hält dazu 450 Mastschweine, ein weiterer Betrieb in Kärnten 150 Maststiere. Über die Fruchtfolge und die den jeweiligen Betrieben zugeordneten ÖPUL-Maßnahmen informiert Übersicht 1. Bis auf den Schweinemastbetrieb nehmen alle an der Maßnahme UBB teil. Damit einhergehen u.a. die Verpflichtungen, dass ab 2 ha Ackerland mindestens 7 % Biodiversitätsflächen anzulegen sind und ab 5 ha Ackerland maximal 75 % Getreide und Mais zulässig sind und keine Kultur mehr als 55% der Ackerfläche einnehmen darf. Eine Sondersituation ergibt sich aufgrund der Gebietsausweisung und Prämienanpassung in der Maßnahme Vorbeugender Grundwasserschutz. Die Betriebe im Marchfeld und in der Traun-Enns-Platte konnten schon bisher an dieser Maßnahme teilnehmen, jedoch wird die Prämie ab 2023 reduziert. Von der Erweiterung der Gebietskulisse ab 2023 könnten die Betriebe im Weinviertel und in der Südoststeiermark profitieren. Wir gehen davon aus, dass beide diese Chance nützen, wobei zusätzliche Auflagen damit verknüpft sind: u.a. die Verpflichtung für Weiterbildungen, schlagbezogene Nährstoffbilanzierung oder die Einrechnung von Nährstoffüberschüssen für die Folgekulturen. Zusatzkosten für diese Auflagen haben wir nicht eingerechnet. Darüber hinaus können Zuschläge aufgrund des Verbotes bestimmter Pflanzenschutzmittelwirkstoffe bei Mais und Raps lukriert werden

Höhere Preise wirken sich positiv aus

Die bisherigen Deckungsbeiträge wurden auf der Basis des Preisniveaus der vergangenen fünf Jahre gerechnet. Aber die Preise für Ackerkulturen und auch jene für die meisten Betriebsmittel haben in den letzten Monaten extrem stark zugelegt.
Wie sich diese Preis- und Kostenrelationen der ersten Jahreshälfte 2022 auf das Betriebsergebnis unserer Ackerbaubetriebe ohne Vieh (die Preise für Nutztiere lassen sich längerfristig noch weniger einschätzen) auswirken, wird nachfolgend geprüft. Diese Rechnung kann nur eine grobe Schätzung für die nahe Zukunft liefern, denn Annahmen in Zeiten extrem schwankender Preise liegen immer mehr oder weniger daneben. Folgende – vorsichtig gewählte – Ansätze wurden gewählt:

  • Produktpreise: Speisegetreide +70 % (z.B. für Qualitätsweizen von 171 auf 292 €/t), Futtergetreide +50 %, Preise anderer Kulturen +30 %;
  • Saatgutkosten wurden proportional um die Produktpreise angehoben;
  • Düngerpreise: Stickstoff +300 % (von 0,90 auf 2,70 €/kg N), P2O5 und K2O + 200 %;
  • Preise für Pflanzenschutzmittel: +50%;
  • Kosten je Liter Diesel: von 1,20 auf 1,80 €.

Trotz verteuerter Inputpreise erhöhen sich die Deckungsbeiträge markant: Qualitätsweizen im Marchfeld von 337 auf 667 €/ha, Winterraps im Weinviertel von 339 auf 695 €/ha oder Körnermais in der Traun-Enns-Platte gar von 255 auf 860 €/ha. Der Fruchtfolge-Deckungsbeitrag ohne öffentliche Gelder erhöht sich enorm.

Für das Marchfeld und das Weinviertel errechnen sich um 258 €/ha mehr, für den Betrieb in der Traun-Enns-Platte sind es 368 €/ha. Würden sich die Output- und Inputpreise längerfristig auf diesem Niveau einpendeln, könnten damit die niedrigeren öffentlichen Gelder ab 2023 für Ackerbaubetriebe locker kompensiert werden.

Aufgrund der geringeren Fläche für die Ackerbrache ab 2023 (4 % Brache anstelle von 5 % ökologischen Vorrangflächen) errechnen sich für den Schweinemastbetrieb positive Anpassungskosten, der Fruchtfolge-DB erhöht sich etwas gegenüber der Situation bis 2022. Insgesamt verändern sich die öffentlichen Gelder beim Schweinemastbetrieb kaum.

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Unterstützung für Tierhalter in Griechenland und Frankreich

In Frankreich und Griechenland können Tierhalter nun Hilfsgelder beantragen. Damit wollen die Länder die gestiegenen Produktionskosten der Landwirte abfedern.

In Frankreich und Griechenland haben die Regierungen Hilfspakete für Ihre Tierhalter beschlossen. Für die griechische Regelung im Umfang von 50 Mio. € zur Unterstützung von Unternehmen im Tierhaltungssektor hat die Europäische Kommission grünes Licht gegeben. Wie die Brüsseler Behörde dazu am vergangene Woche mitteilte, erfolgt die Entscheidung auf Grundlage des am 23. März erlassenen Befristeten Krisenrahmens für staatliche Beihilfen. Konkret sollen die Beihilfen in Form von direkten Zuschüssen gewährt werden.

Die Regelung gilt für Betriebe im Tierhaltungssektor, die vom Anstieg der Betriebsmittelkosten infolge der derzeitigen geopolitischen Krise besonders betroffen sind. Die förderfähigen Begünstigten haben Anspruch auf eine Beihilfe in Höhe von bis zu 2 % ihres Mehrwertsteuerumsatzes im Jahr 2021 oder bis zu 2 % ihrer Bruttoeinnahmen im Jahr 2020. Dies soll davon abhängen, ob sie 2021 der Mehrwertsteuer unterlagen oder nicht. Des Weiteren dürfen die Gelder nicht mehr als 35.000 € je Empfänger betragen und müssen bis spätestens Ende dieses Jahres gewährt werden. Die für Wettbewerbspolitik zuständige Exekutiv-Vizepräsidentin der Kommission, Margrethe Vestager, erklärte man arbeite weiterhin eng mit den Mitgliedstaaten zur Unterstützung ihrer von der Krise betroffenen Sektoren zusammen.

Auch in Frankreich hat die Regierung die im Rahmen des „Resilienzplans“ angekündigte Unterstützung für die Tierhalter auf den Weg gebracht. Seit der vergangenen Woche können Beihilfen beantragt werden, die einen Teil des Anstiegs der Futtermittelkosten auffangen sollen. Für das erste Hilfspaket werden nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums insgesamt 308,5 Mio. € bereitgestellt, die ausschließlich Tierhaltern auf dem französischen Festland zugutekommen sollen. Weitere Pakete sind für die Inseln und Überseegebiete sowie für integrierte Unternehmen mit Tierhaltung geplant. Insgesamt hatte Paris 400 Mio. € angekündigt, die um 89 Mio. € aus der europäischen Krisenreserve ergänzt werden sollen.

Ziel ist es, die Auswirkungen des Ukraine-Krieges abzufedern und den vom Anstieg der Futtermittelkosten besonders betroffenen Sektoren unter die Arme zu greifen. Vom ersten Hilfspaket könnten offiziellen Angaben zufolge mehr als 100.000 Betriebe profitieren; je nach Grad der Abhängigkeit von zugekauftem Futter sollen zwischen 1.000 € und 35.000 € pro Empfänger ausgereicht werden. Grundlage der Bedarfsberechnung sind laut Ministerium die Ausgaben für den Kauf von Futtermitteln im Zeitraum vom 16. März 2021 bis zum 15. Juli 2021.

Antragsberechtigt sind Betriebe mit Kosten von mehr als 3.000 € und einer „Futtermittelabhängigkeit“ von mindestens 10 %; diese ergibt sich aus dem Anteil der Ausgaben für den Kauf von Futter an den Gesamtbetriebskosten. Bei einer Abhängigkeit zwischen 10 % und 30 % erhalten die Landwirte einen Pauschalbetrag von 1.000 €; bei einem Anteil zwischen 30 % und 50 % werden die Mehrkosten zu 40 % übernommen. Machen die Futtermittelausgaben mehr als 50 % der Gesamtkosten aus, so übernimmt der Staat 60 % der zusätzlichen Belastung. Für die Berechnung der Mehrkosten wird laut Ministerium ein einheitlicher Satz von 40 % veranschlagt, der die voraussichtliche Steigerung in diesem Jahr abbilden soll.

Agra Europe (AgE)