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Viehzählungsergebnisse in Deutschland: Niedrigster Schweinebestand seit über 30 Jahren – Riesige Ausstiegswelle rollt

Die ersten Viehzählungsergebnisse der einzelnen Bundesländer haben bereits in den letzten Tagen die dramatische Entwicklung angedeutet, die jetzt durch die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes bestätigt wurde: der Schweinebestand in Deutschland ist weiter massiv gesunken und auch die Anzahl der schweinehaltenden Betriebe geht weiter dramatisch zurück. Zum Stichtag 03. Mai 2022 wurden insgesamt 22,3 Mio. Schweine gehalten, 6,2% weniger als noch vor einem halben Jahr. Der Schweinebestand in Deutschland ist damit auf dem niedrigsten Stand seit über 30 Jahren. Die Zahl der schweinehaltenden Betriebe hat sich in den letzten 10 Jahren fast halbiert.

ISN: Auch wenn die Zahlen bereits erwartet wurden, sind sie doch erschreckend. Eine riesige Ausstiegswelle rollt. Kein Wunder, denn die deutschen Schweinehalter erleben eine in diesem Ausmaß noch nie dagewesene Vielfachkrise. Nur auskömmliche Preise für Ferkel und Mastschweine und ein Auflagenmoratorium können die dramatische Entwicklung noch abschwächen.

In der Pressemitteilung von Destatis zeichnet sich für die einzelnen Tierkategorien beziehungsweise Gewichtsklassen folgendes Bild: Zum Stichtag 3. Mai 2022 wurden 10,3 Mio. Mastschweine in Deutschland gehalten, das waren 8,7 % bzw. 983.300 Tiere weniger als noch ein Jahr zuvor. Auch die Zahl der Jungschweine bis unter 50 Kilogramm Lebendgewicht ging binnen Jahresfrist deutlich um 16 % (711.700 Tiere) auf 3,8 Mio. Tiere zurück. Die Zahl der Zuchtsauen verringerte sich im Vergleich zu Mai 2021 um 9,3 % bzw. 152.900 auf 1,48 Mio. Tiere. Am 3. Mai 2022 wurden insgesamt 6,8 Mio. Ferkel gehalten, das sind 7,6 % bzw. 559.700 weniger im Vorjahresvergleich.

Nicht nur der Schweinebestand ist rückläufig, auch immer mehr Schweinehalter geben ihren Betrieb auf. Zum 3. Mai 2022 gab es 17.900 schweinehaltende Betriebe. Das waren 5,2 % oder 1.000 Betriebe weniger als noch im November 2021. Der deutsche Schweinebestand ging damit im vergangenen Halbjahr prozentual stärker zurück als die Zahl der Betriebe. Im Vergleich zum Vorjahr lag der Rückgang der schweinehaltenden Betriebe bei 9,6 % (1.900 Betriebe).

Auch der Zehnjahresvergleich zeigt die abnehmenden Tendenzen bei den gehaltenen Schweinen und Betrieben: Die Zahl der Schweine sank seit 2012 um 20,8 % oder 5,8 Mio. Tiere, während die Zahl der Betriebe sogar um 41,0 % (12 .00 Betriebe) abnahm. Da die Zahl der Betriebe stärker abnahm als die Zahl der gehaltenen Schweine, erhöhte sich der durchschnittliche Schweinebestand in den vergangenen zehn Jahren von 929 auf 1.248 Schweine je Betrieb.

Destatis zieht als Fazit aus den heute veröffentlichten Zahlen, dass sowohl im letzten halben Jahr die Anzahl der schweinehaltenden Betriebe als auch die Zahl der gehaltenen Schweine stark zurückgegangen ist. Trotz der zuletzt deutlich gestiegenen Preise für Schlachtschweine bleibe die wirtschaftliche Lage vieler landwirtschaftlicher Betriebe unter anderem aufgrund von gesteigerten Energie-, Düngemittel- und Futtermittelkosten und damit höheren Produktionskosten weiterhin schwierig.

Die ersten vorläufigen Ergebnisse der Mai-Viehzählung aus einzelnen Bundesländern haben es bereits angedeutet, jetzt liegen die Zahlen für ganz Deutschland schwarz auf weiß auf dem Tisch und beweisen, wovor wir in den letzten Monaten immer wieder gewarnt haben: Eine riesige Ausstiegswelle in der Schweinehaltung rollt. Die Zahlen sind erschreckend und doch leider wenig verwunderlich. Immerhin befinden sich die deutschen Schweinehalter seit über zwei Jahren in einer noch nie dagewesenen Multikrise, kommentiert ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack die aktuellen Zahlen.