You are currently viewing Düngerpreise gehen durch die Decke – ein Wahnsinn

Düngerpreise gehen durch die Decke – ein Wahnsinn

Die Düngerpreise steigen wieder auf alte Höchststände. Schuld sind die extrem hohen Gaspreise und die explodierenden Produktionskosten für die Düngerindustrie. Für die Bauern öffnet sich damit die Preisschere zwischen Kosten (Dünger, Energie) und Erlösen (Getreide) immer weiter. Das hat Folgen für die Produktion.

Mittlerweile ruft sogar die Düngerindustrie nach staatlichen Hilfen, um die Produktion überhaupt aufrecht zu erhalten. Viele Werke haben die Produktion von Dünger, Ammoniak und auch von AdBlue, bereits stark gedrosselt oder ganz runtergefahren. Das betrifft alle großen Hersteller in Europa – angefangen von Yara, über die Stickstoffwerke Piesteritz und BASF, bis hin zum polnischen Düngerkonzern Azoty oder der österreichischen Borealis.

Die Produktionskürzungen, in Verbindung mit den steigenden Kosten, lassen die Düngerpreise für die wichtigsten Stickstoffdünger zum Monatswechsel steil ansteigen. Gleichzeitig fallen jedoch die Getreidepreise.

Die Preisschere zwischen Kosten und Erlösen öffnet sich damit immer weiter. Denn neben den steil ansteigenden Preisen für Dünger, verteuern sich auch die Kosten für Gas und Strom sowie für Diesel und Heizöl dramatisch.

Und die meisten Analysten sehen kein Ende dieser Preisspirale, die letztlich auch zu empfindlichen Folgen für die Produktion von Getreide und anderen Agrarprodukten führen wird. Die Politik hilft zwar der Gasindustrie mit einer Umlage, doch wer hilft den Landwirten angesichts der Kostenlawine, ihre Produktion aufrecht zu erhalten?

Bereits jetzt rechnen Ökonomen im Herbst mit zweistelligen Inflationsraten und immer öfter mit einer schweren Rezession. Ob es dann noch genug einigermaßen bezahlbare Nahrungsmittel geben wird, ist alles andere sicher.

Der norwegische Mineraldüngerhersteller Yara International hat seine Ammoniakproduktion in Europa aufgrund der rekordhohen Erdgaspreise stark reduziert. In Europa wird der Konzern dann nur noch rund 35 % seiner Ammoniak-Produktionskapazität nutzen, die durch die Kombination von Stickstoff und Wasserstoff aus Erdgas gewonnen wird.

Aus den gleichen Gründen hatte Yara sein Werk in Ferrara in Italien seit Anfang des Jahres bereits zweimal geschlossen und die Produktion in Le Havre in Frankreich für drei Wochen ausgesetzt, wo es zu 45 % seiner Gesamtkapazität lief.

Zu den von der Produktionskürzung betroffenen Standorten oder zur Zahl der betroffenen Mitarbeiter wurden keine Angaben gemacht. Mit diesen Maßnahmen hat Yara seine jährliche Produktionskapazität in Europa um 3,1 Millionen Tonnen Ammoniak und 4 Millionen Tonnen Fertigprodukte gekürzt.

Auch andere europäische Hersteller wie der polnische Azoty und der litauische Achema haben ihre Produktion deutlich reduziert.